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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 330 -
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330 Monarchen für das Land und den Patriotismus der Bevölkerung zu glänzender Geltung brachten und der hauptstädtischen Bürgerschaft auch zu materiellem Vortheil gereichten. Die Steuern waren damals zwar hoch, aber lange nicht unerschwinglich. Böhmen zahlte seine „Ordinari-Verwillignng", die mit der Mährens nnd Schlesiens in der Regel etwa soviel betrug, wie jene Ober-, Nieder- und Jnnerösterreichs zusammen, dazu die, natürlich der Höhe nach sehr wechselnde, „militärische Verwilligung", endlich wie schon früher einen Beitrag zur Erhaltung der ungarischen Grenzfestungen und seit Kaiser Ferdinand III. auch zur Besoldung der iu denselben liegenden Besatzungstruppen. Aber die Ungleichheit in der Besteuerung war die alte und auch sonst stellten sich einer gleich- mäßigen Steigerung des Wohlstandes aller Bevölkerungsclassen die schwersten Hindernisse entgegen. Dies galt namentlich von den Bauern. Seitdem es eben am Schluß des XV. Jahrhunderts den Großen des Landes gelungen war, aus dem freien Bauer Böhmens einen Hörigen, ja sogar einen Leibeigenen zu machen, war dessen Lage immer trauriger geworden. Nu«, nach Ausgang des großen Krieges, lagen die Dinge für ihn möglichst schlimm. Die letzten Reste freier Bewegung waren vernichtet, die Obrigkeit in allen richterlichen und politischen Dingen die einzige Instanz. Der Grundherr hatte das Recht, über Leben und Tod der Unterthanen zu entscheiden und alle Verhältnisse nach eigenem Gutdünken zu regeln, während die Naturalleistungen und die Frohnen (Robot) den Bauernstand materiell aus die tiefste Stufe herunterbrachten. Alle Männer von 18 bis 55 Jahren, alle Weiber von 17 bis 50 Jahren waren in vielen Fällen durch fünf, ja sogar auch durch sechs Tage in der Woche, im Sommer und Winter, robotpflichtig, so daß ihnen nur der Sonntag oder die Nacht zur Bestellung der eigenen Felder und Wirthschaften übrigblieb. Selbst die Kinder mußten sich als Viehhüter oder zu anderen leichteren Arbeiten gebrauchen lassen, während das Zugvieh der Bauern vor Allem zur Bestellung der Arbeit auf den herrschaftlichen Gründen diente. Der Ertrag der auf so kümmerliche Weise bestellten Felder, Wiesen und Gärten wurde zum größten Theil von Zehenten und einer Unzahl anderer Giebigkeiten absorbirt. Während die Herrschaft den Preis bestimmte, um welchen der Bauer sein Vieh und sein Getreide an sie abgeben mußte, wurde ihm das kranke Vieh und schlechte Getreide des Herrenhoses weit über den Werth aufgedrängt. Er durfte nur iu der Mühle der Herrschaft mahlen lassen, ohne gegen die Betrügereien der Müller geschützt zu sein. Kein Wunder, daß er und die Seinen beständig am Hungertuch nagten und, da jede Widerspenstigkeit unbarmherzig mit schweren Geld- strafen oder der Peitsche (karabäö) geahndet wurde, alle Klagen aber nur zu härterer Behandlung führten, die Bauern oft Haus und Hof verließen oder Hand an sich selbst legten. Die ungeheueren Besitzveränderungen während des großen Krieges und auch noch nach demselben brachten einen zahlreichen fremden Adel, wie die Eggenberg, Dietrichstein,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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