Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kronprinzenwerk
deutsch
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 396 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 396 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14

Bild der Seite - 396 -

Bild der Seite - 396 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14

Text der Seite - 396 -

396 das aus der slavischen Urheimat mitgebracht wurde, manche sind erst in der neuen Heimat entstanden oder sie kamen von anderwärts auf jenen wunderbaren und räthselhaften Wegen, auf denen sich Mythe und Märchen überhaupt von einem Volke zum anderen verbreiten, oder sie faßten Wurzel beim Volke in einer mehr bestimmbaren Zeit, ans zum großen Theile bekannten Quellen herrührend, wie zum Beispiel die Sage von der Melusine, vom Bruncwik (Brunclik) und seinem Zauberschwerte, das jetzt in der Prager steinernen Brücke eingemauert ist und einst zur Zeit der größten Gefahr bei der Vernichtung der Feinde des böhmischen Königreiches mithelfen wird. In den böhmischen Mythen und Sagen spiegelt sich, wie in jenen der anderen Völker, eine kindliche, Phantasie- und poesiereiche Auffassung der Natur, in ihnen bergen sich die Erinnerungen an die heidnische Zeit, an den Cultus der alten Götter, oder es wird darin das Andenken an historische Personen und denkwürdige Orte bewahrt. Auch dem Christeuthum entsprangen zahlreiche Sagen, die mit reizender Naivetät, ja oft mit Humor von Christus und seinem Begleiter Petrus erzählen. Die böhmischen Volksmythen erklären den Ursprung verschiedener Geschöpfe und Erscheinungen. Sie erzählen von dem Ursprung des Pferdes, der Bienen, wie der Donner und Anderes entstanden, und berühren namentlich häufig das Pflanzenreich, zu dem wie überhaupt zu der ganzen Natur das empfängliche Gemüth des slavischen Volkes eine große Neigung zeigt. So erfahren wir aus den Volksmythen, warnm das Korn roth aufgeht, welchen Ursprungs die Schwämme sind oder das Stiefmütterchen und die wilde Nelke (viantlms <7>artkusianorum), die aus den Blutthränen der Mutter Gottes roth auf- geblüht sei, als sie deren Sohn auf Golgatha begleitete. Vom Feldthymian heißt es, daß sich in ihm die Seele der verstorbenen Mutter niederließ, als sie sich ihrer unglücklichen Kinder, die jeden Morgen zu ihrem Grabe kamen und wehklagten, erbarmte; sobald sich das Grab mit diesen duftenden Blümchen bedeckte, erkannten die Kinder die Mutter nach ihrem Hauche und daher nennen sie es: „inuteri äouSka" (Mutterseele). Und in Lilie und Rosmarin, die auf dem Grabe einer keuschen Jungfrau blühen, wohnt eben die Seele dieser Jungfrau; nachts wandelt sie traurig im Garten herum, bis sie ein königlicher Prinz sieht und mit ihr eine (unglückliche) Ehe eingeht. Von der Zitterpappel erzählt das Volk, sie sei dazu verflucht, daß ihr Laub ewig zittere, weil sich an ihr Judas erhängte. Aus der Zaunrübe (Li^onia ckioica), die des Glückes wegen beim Hause gepflanzt wird, entsteht mit der Zeit der Hausgeist (kospockätieek), der dem Hause Geld und Glück bringt. Häufig ist das menschliche Leben mit jenem der Bäume verknüpft. Die Seele eines verheirateten Weibes ging bei Nacht immer in eine Weide, und als der Mann auf den Rath einer alten Wahrsagerin die Weide fällte, da starb sogleich auch das Weib.
zurück zum  Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild