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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
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400 Nicht selten helfen dem Menschen gegen diese übernatürlichen Wesen die Thiere, deren Sprache man durch ein Zaubermittel verstehen kann. Die mythologische Bedeutung dieser Volksmärchen, insofern sie noch darin zu finden ist, können wir hier freilich nicht erörtern. Ihre Anzahl ist sehr groß, wie davon die von ihrem vortrefflichen Erzähler K. I. Erben herausgegebenen Sammlungen zeugen; andere rühren von B. Nemcovä, I. Maly, Kosin von Radostov und Anderen her. Ihrem Inhalt nach sind die böhmischen Märchen und Sagen vorwiegend ernst, aber es kommen darin auch Stellen vor, ja es gibt auch ganze Märchen, die durch ihren Volkshumor ausgezeichnet sind: so die charakteristischen Märchen vom dummen Hans, dem Ofenhocker, der bis zu seinem zehnten Jahre gesäugt wurde, vom ungeheuren Kraftmenschen und großen Esser, der gutmüthig, aber im Allgemeinen nicht so dumm, als sich seiner körperlichen und seelischen Stärke unbewußt ist uud daher häufig Anderen dient. Historische Sagen und Weissagungen, die das Königreich Böhmen betreffen, liebt das böhmische Volk besonders, ebenso wie es auch böhmische Chroniken fleißig liest. In der Volkstradition hat sich zumeist die Erinnerung an die ältesten, mythischen Zeiten erhalten, doch hat auch die Volkssage so manche, wirkliche Begebenheit der späteren Zeiten nach Märchenart ausgeschmückt. Diese Sagen sind in allen böhmischen Gegenden bekannt und daneben hat jede Gegend ihre eigenen Sagen von alten Burgen, Kirchen, Klöstern und Schätzen. Den Mittelpunkt aller Sagen bildet das königliche Prag, „matiälca ?ralia* (Mütterchen Prag), wie es das Volk nennt, um der schmachtenden Liebe, die es zu dieser Stadt hinzieht, Ausdruck zu geben. Von der großen Zahl der Sagen können wir hier selbstverständlich nur die bekanntesten berühren; so die Sage von der Ankunft des Stamm- vaters Cech, der mit seinen Scharen auf dem Georgsberge (ktip) Halt machte, von dem ersten Fürsten Krok, besonders aber von seinen drei Töchtern Kazi, Teta und Libusa. Unter diesen ist Libnsa, eine weise Fürstin und Seherin, der Mittelpunkt eines ganzen Sagencyklus. Das Volk erzählt sich, wie sie die Stadt Prag gegründet und ihren Ruhm prophezeit hat, von ihren Zaubergärten um den Vysehrad herum, von ihrem Bade unter dem Vysehrader Felsen, von der Wasserquelle Jezerka in der Nähe von Vysehrad, wo Premysl und dann seine Nachfolger zu Fürsten proclamirt und von hier unter feierlichem Geleite auf den Vysehrad geführt wurden, auch davon, wie Libusa den Streit zweier Brüder schlichtete, wie sie den Vladyken Premysl von Stadic vom Pfluge auf den Fürstenthron berief, von dem starken Helden Bivoj, ihrem Schwager, vom Mädchenkriege, der nach dem Tode der Libusa unter der Anführung der tapferen Vlasta ausgebrochen war, von der verführerischen Särka und von Etirad, vom Falle der Mädchenburg Devin. Doch nicht blos Vysehrad, sondern auch die Burg Libitz in der Nähe von Podebrad, wo der heilige Adalbert geboren ward, war nach der Sage ihr Sitz.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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