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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 422 -
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422 Zeit haben sich jedoch die Familien so vermehrt, daß neue Ansiedlnngen begründet werden mußten. Diese erhielten dann neue Namen, die zumeist den Charakter der Ortsanlage oder die Sitten der Bevölkerung bezeichneten: V^soeane Hügelbewohner, I^Sune Waldbewohner; nicht selten waren es Spitznamen, wie ?rex>xcl>7 tw,, der Übermuth, St^skal^ Raunzer, vibokluv^ Kratzköpfe, oder sie bezogen sich auf die Beschäftigung oder das Handwerk, das von der Bevölkerung eines Dorfes ausgeübt wurde, z. B. Xod^lmk^ Pferdezüchter, ötiwrv Schildmacher, LoloäHe Wagner, ^1) älo- vai'v Seifensieder. Die patriarchalische altslavische Lebensart erlitt schon im X. Jahrhundert n. Chr. in Böhmen so manche Veränderungen. Die Prager Fürsten verbreiteten und befestigten ihre Herrschaft über alle slavischen Stämme in Böhmen und brachten auch sehr viel von Grund und Boden an sich. Damit lohnten sie auch zum großen Theile den Adel für geleistete Dienste. Die Fürsten und Herren bevölkerten ihre Besitzungen, die oft nur Waldeinöden waren, mit Colonisten, die aus den Familiendörfern kamen und Begründer neuer Dörfer wurden. Diese hatten keine Stammeinrichtung und demzufolge auch keine patronymischen Namen, sondern wurden nur nach der örtlichen Lage (topische Namen) oder nach dem Begründer benannt. Große Veränderungen gingen im Verlaufe des XIII. Jahr- hunderts vor sich, als sich in Städten und am Grenzwalde deutsche Colonisten nieder- ließen. Neben den dentschen Dörfern wurden in jener Zeit und auch später böhmische begründet; die neuen Dörfer basirten auf emphyteutischem Rechte und hatten eine ähnliche Einrichtung, Bodenvertheilung und ähnliche Begünstigungen wie die Colouieu mit deutscher Bevölkerung. Ein solches Dorf mit böhmischer Bevölkerung wurde auf eine bestimmte Zeit «Ikota* (Freiung) genannt, während welcher es von Abgaben oder Zinsen befreit war, begründet und oft einfach nur ,I.kota« genannt. Solche Dörfer gibt es noch heutzutage in Böhmen über 300. Einheimische Wirren, namentlich die husitischeu Kriege habeu so manches Dorf zerstört. Da in Folge dieser langwierigen Kriege die böhmische Bevölkerung bedeutend abgenommen hatte, so blieben jene Einöden lange Zeit hindurch brach, bis sie später, manche erst im XV I. Jahrhundert, erneuert wurden; die Grundstücke eingegangener Ansiedluugen wurden vermessen und vou der Herrschaft an neue Colonisten verkauft. Außerdem wurden im XVI. Jahrhundert ganz neue Dörfer angelegt, wenn auch nicht so zahlreich wie im XIII. Jahrhundert, und zwar dort, wo früher andere Dörfer eingegangen waren, oder in einer Gegend, die noch mit Wald bedeckt war. Nach dem ruhigen XVI. Jahrhundert kam die Schreckenszeit des XVII. Jahrhunderts. Während des dreißig- jährigen Krieges verschwanden in Böhmen zahllose Dörfer ganz von der Oberfläche und nur wenige wurden später erneuert.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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