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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 424 -
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424 auf einem steinernen Postament, in welches man einen Vers aus der heiligen Schrift und den Namen des Gründers in Goldbuchstaben eingegraben hat. Vor dem Dorfe selbst pflegt ein solches heiliges Zeichen oder eine gemauerte einfache Kapelle mit nur einer Nische und mit einer häufig hinter einem Gitter befindlichen Statuette zu stehen; mit Kalk einfach gestrichen, erglänzt sie in ihrer weißen Farbe unter der breitkronigen Linde weit in die Gegend hinein, in ihr frisches Grün, wenn das ganze Dorf in ein Blütenmeer getaucht ist, oder sie prangt über den Feldstreifen mit reifendem Getreide in der klaren Luft eines schwülen Sommertages. Die ursprüngliche Form des böhmischen Dorfes war rund oder oval; schon durch diese Gestalt, die der Familieneinrichtung entsprach, ward sie zum Symbol und Ausdruck der Familieneinheit. Derartige Dörfer sind noch jetzt, wenn sie auch durch spätere Zubauten Vieles eingebüßt haben, in großer Zahl vorhanden, besonders in den zuerst bevölkerten Gegenden. Um einen freien, in der Regel ziemlich geräumigen Platz reihen sich die Gebäude, indem sie ihre Front und ihren Giebel diesem Platze zukehren. Das ursprüngliche Dorf bildete also ein rundes Ganzes, das nach außen hin durch Planken, durch gezimmerte Einfassungszäune oder durch Mauern, welche die hinter jedem Gebäude befindlichen Gärten und daher auch dieses selbst schützten, gedeckt war. Manchmal bot auch ein Bach oder ein Fluß mit seinem Ufer, hinter dem die ursprüngliche Ansiedlung begründet wurde, zur Zeit der Gefahr Schutz. In ein solches rundes Dorf führte und führt oft auch noch heutzutage nur ein Zugang, dem gegenüber am anderen Ende es nur einen Ausgang gibt, abgesehen vom Wege, auf dem das Vieh auf die Weide getrieben wird (prükon). Der Platz selbst ist rund, manchmal nicht regelmäßig, indem er in manchen Dörfern sogar die Gestalt eines Rechtecks annimmt, obgleich es hier und da Dörfer mit kreisrunden Plätzen gibt (Bysicky, Väpensko bei Podebrad, Svrabov bei Schwarzkostelee); heutzutage hat übrigens die Mehrzahl der runden Dörfer mehrere Aus- und Eingänge. In Pfarrdörfern steht die Kirche auf dem Platze, manchmal in der Mitte, manchmal in ihrer Nähe. Hat das Dorf keine Kirche, so hat es doch eine Kapelle, zumeist ebenfalls in der Mitte des Platzes, wo auch ein, manchmal sogar zwei kleine Teiche prangen. Dort erglüht auch die Esse der Dorfschmiede, dort pflegt auch das Hirtenhaus, in welchem der Gemeindehirt logirt, zu stehen, jetzt aber häufig auch — ein Armenhaus. Nachdem die altslavische Stammeinrichtung eingegangen war, hörte man wohl auch auf, runde Dörfer zu bauen. Die neuen Dörfer wurden, da sie nicht Angehörige eines Stammes anlegten, in Form einer Gasse gebaut, so wie es auch häufig die Localverhältnisse erheischten, denn die neuen Ansiedler drangen von der Ebene weiter gegen das Gebirge, ja bis in dieses vor, wo es dann in den Thälern, an einem Bach oder Fluß am zweckmäßigsten war, derartig zu bauen. Hier sind die Gebäude mit ihrer Front gegen den Weg gerichtet,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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