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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 438 -
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438 Feste und Bräuche der Slaven. Die Feste und Bräuche der Slaven in Böhmen haben sich trotz des nivellirenden Einflusses der Civilisation bis auf den heutigen Tag namentlich unter der Landbevölkerung ziemlich rein erhalten und manches Eigenthümliche und Urwüchsige bewahrt, wodurch sie sich von den Sitten und Bräuchen anderer Völker unterscheiden und die Aufmerksamkeit des Folkloristen auf sich leukeu. Zwar weichen dieselben vor dem Pfeifen der Loeomotive und dem Lärm der Fabriksmaschinen, namentlich aber unter dem Einfluß der modernen Schule und in Folge polizeilicher Verbote in die entlegensten Winkel immer mehr zurück und sind bereits, besonders im Flachland, großentheils geschwunden, aber noch immer begeht der Landmann allenthalben das Erntefest und die Weihnachtsfeier in alther- gebrachter Weise, noch immer werden die Johannisfeuer angezündet und die Maibäume aufgestellt, überall finden noch die volksthümlicheu Ostergebräuche mit Schmackostern statt und die Kirchweih bildet auf dem Lande den Glanzpunkt des Jahres. Auch die Hochzeiten haben ihre ursprüngliche Frische und Mannigfaltigkeit bewahrt. Nicht minder leben die alten mythologischen und abergläubischen Vorstellungen noch heute im Volke: noch immer glaubt der Bauer an die Feld- und Waldgeister (an die polsäiuce -- Mittagsfrau, an den wsni irm? — Waldmann und die lesni pannu — Wald- nymphe, an die tesni oder ckive — Wald- oder wilde Weiber), an den Wassermann svmliuk, vu!^«> dastrmkm), an die Hauskobolde (skritek, twspoäätiöek), an die Schicksalsstauen (suckiek)-) und an die Drude (müru); uoch immer fürchtet er sich vor dem Behexen und Beschreien (uöurovüiii a urknuti) und wendet dagegen verschiedene Mittel an. In Krankheitsfällen sucht er Hilfe bei alten Frauen, welche die Krankheit durch Zauber- formeln und Zaubermittel verscheuchen u xaöelinävaji). Um dem uns bemessenen Ranme Rechnung zu tragen, werden wir bestrebt sein, die Feste und Bräuche des cechischeu Volkes mit Hintansetzung des minder Wichtigen in möglichster Kürze zu schildern und dieselben nach den Kalendertagen ordnen, indem sich auf diese Art für ihre Einreihnng eine natürliche Grundlage bietet. Jahresfeste und Bräuche. — Neujahrs tag (nov^ rok, 1. Januar) ist der Tag der Gratulationen und Nenjahrsbescheeruugeu. Dieser Tag ist für das ganze Jahr von Vorbedeutung, denn was man am Neujahrstag thut, wird mau das ganze Jahr hindurch thun: wer an diesem Tage gesund ist und Geld hat, der wird das ganze Jahr gesund sein und Geld haben u. s. f. Am Vorabend des heiligen Dreikönigtages gießen die Mädchen geschmolzenes Blei oder Wachs ins Wasser und suchen aus den so geformten Figuren ihre Zukunft zu errathen. Auch werden kleine Wachskerzen in leere Nußschalen gestellt, angezündet und
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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