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Auch soll man drei Kätzchen schlucken als ein Mittel gegen Schlangenbiß, Halsschmerzen
und Fieber.
Nun ist der Frühling im Anzug, und die Jugend beginnt ihre Frühlingsspiele
unter freiem Himmel. Die Vorboten des Frühlings werden fleißig beobachtet, die erste
Schwalbe wird freudig begrüßt, der erste Kukuksruf aufmerksam gezählt, um zu erfahren,
in wie viel Jahren das Mädchen heiraten oder wie viele Jahre man noch leben wird. Wenn
man im Frühjahr das erstemal donnern hört, soll man etwas Schweres heben oder sich
auf dem Rücken herumwälzen, dann wird man stark sein und keine Kreuzschmerzen haben.
Nach dem ersten Donnern im Frühjahr verliert das Veilchen seinen Duft. Wenn der
Knecht im Frühjahr zum erstenmal auf das Feld ackern fährt, wird er von der Magd
mit Wasser begossen, damit er stets frisch und munter sei; dasselbe widerfährt der Magd
vom Knecht, wenn sie das erstemal auf Gras ausgeht.
Zu Ostern (svatky velikonveni) haben sich noch viele volkstümliche Bräuche
erhalten, welche sich zwar an die kirchlichen Ceremonien anschließen, deren ursprüngliche
Bedeutung jedoch noch immer ziemlich deutlich hervorleuchtet.
Am Gründonnerstag (?elen^ etvi-tek) werden Honigkuchen, sogenannte jickäZe
gegessen (auch dem Vieh gibt man ein Stück Brot mit Honig), Petersilie, Erbsen und
Kohl gesäet und die Flöhe aus der Wohnung mit geweihtem Pimpernußzweige hinaus-
getrieben. Am Charfreitag pätek) gehen die Leute vor Sonnenaufgang hinaus
und waschen sich in Bächen und Flüssen, knieen dann in den Obstgärten und Feldern mit
entblößten Knieen auf bethautem Rasen und sagen Gebete gegen das Fieber her; auch
die Pferde und Kühe werden vor Sonnenaufgang mit Wasser aus drei Quellen gewaschen,
damit sie vor Ungeziefer und Krankheiten geschützt bleiben. An diesem Tage öffnen sich die
unterirdische» Schätze, während die Passionsgeschichte gelesen wird. (Vergleiche Erbens
Gedicht „Der Schatz".) — In der Nacht vom Charfreitag auf den Charfamstag laufen die
Leute in den Obstgärten in bloßem Hemde herum und rufen: „Bindet euch, Bäume; wenn
ihr euch nicht bindet, so werden wir euch umhauen", wobei man die Bäume mit einem
Strohbande umwickelt, damit der Wind die Blüte nicht herunterschlage und damit das Obst
gedeihe. Am Charsamstag (bilü sobota) wird der „Judas verbrannt" und die Kohlen
werden hinter das Dach und ins Feld gesteckt, um Feuersbrunst und Ungewitter abzuwenden.
Wenn am Charsamstag die Glocken wieder ertönen, soll man die Bäume schütteln, damit
sie viel Obst tragen. Am Ostersonntag (boöi lioä velkonoeni) läßt man in der Kirche
das Osterlamm, Osterlaibe, Eier und Wein weihen. Zu Hause wird das Geweihte in
Stücke geschnitten und jeder von den Hausgenossen bekommt ein Stückchen.
Echt slavischen Ursprungs ist die noch allerorts in Böhmen übliche x>c>mla?ka
(Sckimackostern). (binvvacks. dMvvaeka, ZniiFrust, Kmeikusl.) heißt eigentlich
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Band 14
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (1)
- Band
- 14
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1894
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.78 x 21.93 cm
- Seiten
- 634
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch