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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 460 -
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460 jetzt das „Dreikönigsspiel" erhalten, welches zu einem kurzen Dialog der drei „Sterndeuter" zusammengeschmolzen ist und von meistens der Schule entwachsenen Knaben aufgeführt wird. Wie nun diese für Groß und Klein berechnete Unterhaltung immer mehr zurückgedrängt wird, so geschieht es auch mit dem „Nikolaispiel", welches bereits zu einem Schattenspiel herabgesunken ist. An die Spiele der alten Zeit erinnert nur noch das „Betlehem", welches man in einigen Dorfkirchen und auch hier und da in den Bürger- und Bauernstuben findet. Die zweite Gruppe umfaßt die „Osterspiele", welche einerseits die Kreuzigung, anderseits die Auferstehung Christi zum Gegenstand haben. Obwohl bei diesen Spielen eine größere Anzahl von handelnden Personen erforderlich war, was einigermaßen ihr Aufkommen behindern konnte, so gehörten sie doch zu den beliebtesten Spielen, so daß sie an jedem Sonntag von Ostern angefangen bis lang in den Sommer hinein aufgeführt und von der Bevölkerung der ganzen Umgegend wie auch aus der Ferne aufgesucht wurden. An dramatischer Conception und theatralischem Aufwand stehen sie in keiner Beziehung hinter den mittelalterlichen Passionsspielen zurück; man kann sogar in ihnen die geschickte, an dem Schuldrama erprobte Hand des ursprünglichen unbekannten Zusammenstellers erkennen. Sie beginnen mit einem Chor, wozu meistens die in der Fastenzeit beliebten Kirchenlieder verwendet werden; das Anstimmen dieser Lieder wiederholt sich während des Spieles zwischen den einzelnen Bildern, aus welchen das Ganze besteht und die sich aneinander so anreihen, wie sie in der Bibel vorkommen. Dies hat zur Folge, daß der Zuhörer immer wieder in eine religiöse Stimmnng versetzt wird, was sich besonders dann empfahl, wenn etwa die burlesken Späße einzelner komischer Figuren, wie die des Teufels oder des Todes, die Aufmerksamkeit von der Haupthandlung abzulenken drohten. Mit den alten Passionsspielen haben diese Spiele auch das gemein, daß sie aus einer Reihe von kleineren oder größeren Bildern bestehen und dem Zuschauer nichts überlassen, was er sich hinzu- denken sollte, weil Alles vor seinen Augen dargestellt wird. Daher sind diese Spiele durch- wegs sehr umfangreich, mitunter selbst langweilig, obwohl es nicht an dramatisch wirksamen Scenen, wie z. B. die Unterhandlung des Judas Jschariot mit den Hohenpriestern und dem hohen Rathe, fehlt. Die dritte Gruppe bilden alttestamentarische Stoffe, bei welchen der biblische Inhalt zu Grunde gelegt wurde. Die Hauptfiguren waren Moses, Josef von Egypten, Samson, Tobias, Samuel, Saul und Esther. Die vierte Gruppe, welche so wie die vorige durch die Gestalt des Kasperle beeinflußt und mehrfach durch die gänzlich volksthümliche Auffassung zersetzt wurde, umfaßt neu- testamentarische oder ganz moderne Stoffe, in denen man schon den Einfluß des immer mehr aufblühenden Kunstdramas erblicken kann. Wir finden hier den heiligen Ivan,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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