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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 480 -
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480 aus den Armen seiner Geliebten führt, die letztere ihrem Bruder zurückläßt oder seinen Kameraden gönnt. Die Klage des Volksliedes fällt häufig noch in die Zeit vor Einführung der Conscription: „In Jieln werben sie, sie pfeifen und trommeln" :e., wobei der Hand- schlag und das Handgeld ihre Rolle spielen. Eigenthümlich ist das häufige Vorkommen der Husaren, selbst der „kleinen Husaren", was wohl aus slovakischen Ursprung hinweist, da es in Böhmen nur Kürassiere und Dragoner gab. Von der anderen Seite das ehemalige Unterthänigkeitsverhältniß. Da ist das herrschaftliche Schloß, der herrschaftliche Garten, der herrschaftliche Meierhof (panskH ävür) mit seinem „Schaffer" (salar) und seinen Schaffersleuten. Da ist der-herrschaft- liche Wald und der herrschaftliche Jäger, der in seinem „grünen Kleid" — 2elenä — mit seinen Hirschen und Rehen im Volkslied so oft wiederkehrt: „Grünes Jägerlein, was lauft dort querfeldein? Es lauft, es laust ein Rehelein, ein schwarzäugig Mägdelein — schieß nach ihm!" Oder: „Warte auf mich, Liebchen mein! Einen Hirschen schieß ich dir, daß mein grünes Röckelein mög' gefallen dir." Da ist der „gnädige Herr", ^kavalir"/ der im Wagen „mit goldener Deichsel" und „silberner Spreizstange" fährt und den Rosse „mit goldenen Hufeisen" ziehen, „vorn ein Lakai, hinten ein Lakai." Da ist der Amtsschreiber, der berüchtigte »pan er trägt ein „verbrämtes Kleid", ein „bortirtes Hütchen wie irgend ein Kaiser" — „klodoueek premovank^j näkH cisiu". Da ist die herrschaftliche Kanzlei („kaneelär"), in welche der Bauer citirt wird; in der er seine Klagen vorbringt; in der die Brautleute erscheinen müssen um ihrer Verkündigung willen — spolu na kaneelät pro okIüZku" —. Da sind die schweren Steuern, die „Contribntion", die harte, harte Robot und der böse ,6rüb", der Amtsdiener mit der Bank und dem Stock aus der ungebrannten Asche der Haselstaude, der widerspänstigen Unterthanen die zehn Gebote in empfindliche Erinnerung bringt. Das sind, wie man sieht, lauter Verhältnisse, die heute nicht mehr bestehen oder sich wesentlich geändert haben, und darum ist das Volkslied des vorigen und auch noch der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts vielfach ein Anachronismus, der sich in dieser Form kaum lang halten könnte. Es haben noch andere Ursachen zusammengewirkt, das böhmische Volkslied und damit auch den Volkstanz um die Stellung zu bringen, die sie in dem Geistes- und Gefühlsleben der Nation früher behauptet haben. Einestheils sind es das konstitutionelle Leben, darunter eben auch die Aufhebung der Robot, und die gewaltige Entwicklung der modernen böhmischen Literatur, die den Sinn und die Ziele des Volkes nach ganz anderen Richtungen in Anspruch nehmen; anderseits entwickelt sich das Verkehrsleben von Tag zu Tag rascher, namentlich durch die Eisenbahnen, l Das dem Französischen entlehnte Wort entstammt der Zeit, wo ja bekanntlich auf Edelsitzen und im Salon jene elegante Sprache vorherrschte.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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