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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 538 -
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538 Nach dem Osterfest, als dem Hauptfest des Frühlings, hat seit altersher die Feier der Sommer-Sonnenwende, die als eigentliches Sommerfest zählen kann, die der ganzen Entwicklungsgeschichte nach hervorragendste Bedeutung. Wie die vorangehenden besitzt auch dieses ein gewisses Vorfest. Die Walpurgisnacht (am letzten April) ist ebenso eine Geisternacht wie die Andreasnacht vor Weihnachten und bereitet wie diese auf die Haupt- feier vor. In der Walpurgisnacht, am sogenannten „Hexenabend", trat ebenfalls seit jeher das Bestreben des Volkes hervor, sich mit der Geisterwelt entsprechend abzufinden, um etwaige böse Einflüsse der Geister über Sommer unschädlich zu machen. Aus diesem Bestreben ergibt sich der allgemein geübte, meist in einem Umzug uuter Führung des Dorf- hirten bestehende Brauch: das „Hexenabendansplatzen" (Hexenknallen Knallen mit der Peitsche) unter Pfeifen, Schreien, Schießen, Klappern, Kettenklirren, Hörnerblasen n. s. w., wie es in Süd-, West- und Nordböhmen als „Hexenbrennen", „s Häxnostnschn" (Böhmerwald) vorkommt. Auch in Ostböhmen, insbesondere im Reichenberger Gebiete, wurde der Hexenabend seit langem als „Woalper"-Abend mittelst der „Hexenplatschen" (Lärmwerkzeuge aus Holz oder Papier) unter großem Getöse begangen. Räucherungen in Haus, Hof und Stall, womöglich mit den neunerlei heilkräftigen Kräutern, Begrenzungen, Umhegen und Verlegen der Schwellen der Stallthüren mit kleinen Rasenstücken, der Düngerstätte mit Dornen, Spitzeggen (Hexenbann) waren allenthalben bis in die neuere Zeit im Brauche. Nach der Sicherung gegen das Böse kommt wie bei allen echten Volksfesten die eigentliche Freudenfeier, und dem tollgespenstigen Hexenabend folgt das heitere, poesievolle „Maibaumfest". Der hohe schlanke bis nahe zum Wipfel glattgeschälte Tannen- oder Fichtenbaum wird nach altem Brauch von einzelnen Burschen einem Mädchen nachts vor Haus und Fenster gesetzt (Ehren- und Liebeszeichen) oder auch als allgemeiner Maibaum (Mal-Baum!) auf dem Dorfplatz aufgerichtet, mit Bändern, auch mit allerlei Gaben behängt und sodann unter Dudelsack-, Harmonika-, Drehorgel- oder Blechmusik „abgetanzt" (Maibaumtanz). Der vom kühnste« und geschicktesten Kletterer errungene Wipfel wird in der Wirthsstube bis zum nächsten Mai an die Decke gehängt und darunter getanzt. Die kirchlichen Feste dieser Jahreszeit, wie Pfingsten u. s. w., treten im Volksbrauche nicht besonders charakteristisch hervor und ist diesfalls eben nichts Wesentliches zu erwähnen. Nur der aus Oberösterreich und Südböhmen (Böhmerwald) bis nach dem nördlichen Westböhmen hinaufreichenden volksthümlichen Pfingstwettrennen, die auch in den deutschen Gebieten nächst Pilsen vorkommen, muß namentlich gedacht werden. Bei diesen Volksfesten spielen „Richter", „Ausrufer", „Bierreiter" uud „Scharfrichter" oder „Froschschinder" (Spaßmacher) nach feststehenden Gebräuchen und Reimen ihre besondere Rolle. In der Pfingstzeit findet ferner im oberen Egerlande das sogenannte „Henkengeih"
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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