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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 543 -
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543 ausbleibe (Saazerlaud). Allgemein verbreitet ist das Einlegen dreier von der Ernte her eigens bewahrter Fruchtähren in die Erde im Frühling, um aus deren Anleimen die rechte Saatzeit (ob frühe, mittlere oder späte) zu erkennen. Beim Säen muß das zweite Beet zuerst bestreut werden, sonst kommt im oberen Egerlande der „Büllmatzschnitter", „Billmes- schneider", ein dämonischer, gespenstiger Schnitter, der mit goldener Sichel (das Zeichen Thonars) an bestimmten Tagen, durch Korn- und Flachsfelder über Kreuz schreitend, die Pflanzen anschneidet. Wer eine „Untersaat" macht, ein Beet zu säen vergißt, wird im laufenden Jahre sterben. Der erste Viehweidetag und Hutgang der Schafe, Rinder n. s. w. wurde von altersher in den meisten Gegenden Deutschböhmens mit eigenen Bräuchen gefeiert. Besonders festlich war dies stets im Böhmerwalde und im Riesengebirge der Fall, wo in den rauhen Lagen oft erst der 24. Juni den Auftrieb der Herden in die Sommerbauden zuläßt, welcher Tag dann zum Festtag wurde. Eine uralte deutsche Ackerbaufeier hat sich im Tachauer Gebiete (Westböhmen) in der sogenannten „Schar- oder Schoaseier" erhalten, die von dem neueren Geschlecht wie die meisten alten Volks- übungen in der verchristlichten Form der „Schauer-" oder Hagelfeier begangen wird, im Wesen jedoch, wie Dr. I. Stocklöw dargethan hat, aus einer Pflugschar- und Sonnwendfeier herrührt. Diese Feier wird mit allgemeinen Flurumgängen bei brennenden Kerzen u. s. w. vou allen zu Tachau eingepfarrten Ortschaften begangen. Die Freude über die glücklich beendete Ernte kommt in den Erntefesten der „Sichellege", „Sichel- henke" (in der Schönbacher Gegend „Flona"), und des „Hopfenkranzes" (Saazer- land) zum Ausdruck. Wird das letzte Getreidefuder oder der letzte volle Hopfenkorb aufgeladen, so schmückt der Großknecht Rosse und Wagen mit Bändern und Blumen und unter Gesang und Jauchzen beginnt die Heimfahrt. Einige der Mägde und Burschen halten mit Sträußen an Stäben oder Rechenstielen den Wagen besetzt, andere schreiten singend neben und hinter dem Wagen. Ist der Wagen daheim geborgen, so versammelt sich Groß und Klein in der großen Stube, wo die Großmagd oder Vorschnitterin dem Bauer einen vollen Ährenkranz, der Bäuerin einen Blumenstrauß mit Fruchtähren überreicht, und zwar im Saazer Korn- und Weizenlande mit folgendem Spruch: „Wir bringen einen Kranz von Korn, er ist gewachsen unter Distel und Dorn, er ist gewachsen unter Schnee, Wind und Regen, wir wünschen dem Herrn recht großen Segen!" An manchen Orten wird der Erntekranz dem Hofherrn (Hausvater) aufs Haupt gesetzt. Am nächsten Morgen werden Kranz und Strauß in der Heiligenecke aufgehängt und sie behalten diesen Ehrenplatz bis zur nächstjährigen Ablösung. Nach der Kranzübergabe folgt der festliche Ernteschmaus, wobei die bei allen wichtigen Festen übliche Semmelmilch und der Hirsebrei mit Honig nicht fehlen sollen. Gesang, Mnsik und Tanz vollenden die Erntefestfreuden.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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