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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 586 -
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586 Rückzug nach dem Elternhause, wo die reichliche Hochzeitstafel der Gäste harrt. Aber zu Tische darf nicht gleich gegangen werden. Die geladenen jungen Burschen nnd Männer sammeln sich zu einem Fußwettrennen („Ofaschüsselrenua"), das zu den Haupt- ceremonien einer Hochzeit gehört. Der beste Läufer erhält von der Brautmutter vier bis fünf Gulden und ist verbunden, so lange dieselbe bei der Hochzeit zugegen ist, ihren Trabanten und Lannenbefriediger zu machen. Die nächste Aufgabe des Preisläufers ist gewöhnlich der Versuch, die Braut von ihrem besonderen Tische herabznbringen. Musik ertönt. Der Preisläufer fragt die Brautmutter, uuter welchen Bedingungen sie der Braut erlauben wolle, ihm zu einem Tanze zu folgen? Diese stellt Bedingungen, wie folgende: „Bring' mir einen Eimer ohne Reif." Der Bursche jauchzt, Tusch der Musik; der Bursche bringt ein Ei und fragt, ob das ihr so recht sei? „Recht", heißt die Antwort; aber schon wird eine neue Frage gestellt: „Welches sind die besten Weiberuhren?" Antwort: „Haus- hähne." „Nichtig." „Welches Obst braucht drei Jahre zu reifen?" Antwort: „Wachholder- beeren." Endlich soll der Bursche ein Mus bringen, wozu man weder Mehl noch Feuer brauche. Er bringt Honig. Der Forderung: ein Rad zu bringen, das von keinem Wagner aus Holz gemacht ist, entspricht er, indem er einen Spritzkrapfen bringt, der die Form eines Wagenrades hat. Die Schlnßbedinguug ist: eine silberne Brücke zu bauen, über welche die Braut beim Verlassen des Tisches gehen könne. Der Bursche legt eine Doppelreihe Silbermünzen über den Tisch, die Braut erhebt sich und geht über die Münzen hin zn dem Brückenbauer, der sie mit aufgehobenen Armen empfängt und auf den Boden stellt. Jubeltusch der herumstehenden Musik. Der Bursche soll nun den Brauttanz eröffnen, allein die Braut vermißt einen Schuh, den man ihr schon früher vom Fuß gezogen. Der Schuh wird endlich gefunden und der Preisläufer tanzt mit der Braut einmal herum; ihm folgt dann der Tanz des Vaters mit der Braut, dann ein Tanz der Brüder und nächsten Anverwandten mit derselben. Nun tanzt der Bräutigam mit der Mutter der Braut, dann mit seiner eigenen Mutter und zuletzt mit seiner jungen Angetrauten. Hierauf gilt keine bestimmte Anordnung mehr und das tanzlustige Blut bemächtigt sich der Tanzstube. Nach der Hochzeit müssen die jungen Eheleute drei Wochen lang getrennt bei ihren Eltern leben. Während dieser Zeit wird ein großer Theil der Brautaussteuer (Haus- geräthe) besorgt und angeschafft. Ist man damit zu Ende, so wird der Tag der Vereinigung und Übersiedlung bestimmt. Vor den großen geschmückten Wagen werden die vier schönsten Pferde der Gegend gespannt; auf dem Wagen (Kammerwagen) sind durchwegs neue Kasten, Tische, Bettgestelle, kurz, große und kleine Hansgeräthe nach einer herkömmlichen Ordnung aufgeschichtet; obenauf das Brautbett, über d iesem eine buntbemalte Wiege. Kasten und Kisten sind gefüllt mit Wäsche nnd kleinen Hausgeräthen. Zerbrechliche Dinge müssen in Körben besonders getragen werden. Zu diesem Ende bittet das junge Weib alle ihre Jugend- und
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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