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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 596 -
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596 zu beruhigen suchte; sie fuhr den Geist mit harte» Worten au, eutriß ihm das Kind und gebot ihm, das Gemach zu verlassen. Da blickte sie die weiße Frau mit fiusterem Auge au und sprach leise, aber vernehmlich: „Undankbare! Durch meine Vermittlung bist du in dieses Haus gekommen und dn willst mich aus den Gemächern meiner Ahnen verjagen? Melde dem Vater des Knaben, daß er mich nimmer erblicken wird und siehe zu, wo meiue Wohnung ist!" Mit diesen Worten verschwand sie in diejenige Wand des Zimmers, welche an einen alten viereckigen Thurm stieß. Die Amme verließen ihre Sinne, und als sie sich wieder erholte, meldete sie dem Schloßherrn Peter, was sie gesehen und gehört hatte. Dieser ließ nach einiger Zeit die Mauer durchbrechen, in welche der Geist verschwunden war, und nach Beseitigung des dahinter befindlichen Doppelgemäuers fand er den großen Nosenberg'schen Schatz, welchen er nachher dem Kaiser zur Aushilfe gab, um damit den Krieg gegen die Türken fortsetzen zu köuueu . . . Jahrelang wurde nun die weiße Frau weder in der Stammburg Kruman, noch in der neuen Burg zu Neuhaus geseheu, aber dunkle Gerüchte liefen um, daß sie um diese Zeit ab und zu in Burgen ferner Verwandter Böhmens und Deutschlands erschienen sei. Erst als durch die Burgherren selbst oder in Folge von Besatzungen während der späteren Kriege durch Hauptleute der Besatzung in der Burg zu Neuhaus der den „süßen Brei" betreffende Stiftsbrief außer Acht gelassen wurde, war die weiße Frau als unuachsichtliche Rächerin wieder da und strafte alle Schuldigen auf die empfindlichste Weise; bei diesen Rache-Acten erging es einem Frevler, dein Ritter Stilfried Feyrar vou Malikau, am allerschlimmsten, da er über die Erscheinung der weißen Frau rohe Glossen machte und den zeitgenössischen Schloßherrn Joachim Ulrich vou der Gewährung des „süßen Breies" hartnäckig abhielt. Die weiße Frau sowohl, als die wackeren Zwerge wußten sich durch ebenso peinvolle als ehrenrührige Strafen an dem Frevler zu rächen, da er gezwungen war, seine Tapferkeit zu beweisen, eine Nacht auf der gemiedenen Burg (im verrufensten Gemach, „Hechelzimmer") zuzubringen . . . Die „weiße Frau" ist nach diesem Vorfall noch zu wiederholten Malen, zumeist zu dem Zweck erschienen, Gutes zu thun und namentlich Unglückliche und Arme zu erfreuen. Die Wohlthat des „süßen Breies" sicherte sie durch Entdeckung eines großen Schatzes in der Burg zu Neuhaus, der dem Besitzer des Schlosses, Joachim Ulrich, es möglich machte, das Fest ohne eigene Auslagen alljährlich zu veranstalten . . . Eines Tages sprach ein junger Priester aus dem Geschlecht derer von Liechtenstein im Schlosse zu Neuhaus ein. Mau wies ihm zum Nachtlager einen großen Saal zu, dessen Wände mit Familienbildern bedeckt waren. Diese Bilder vor dem Entschlummern aufmerksam betrachtend, siel dem geistlichen Herrn eines besonders auf, das einen stattlichen Hochzeitszng darstellte, der sich langsam zu bewegen schien; der Bräutigam war von hohem Wüchse, doch in seinem Gesicht lauerte heimliche Tücke, die zarte Braut an seiner Seite, lieblich wie eine schlanke Lilie, verrieth in
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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