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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 231 -
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231 so mußte sich bei seiner fast ein halbes Jahrhundert andauernden Wirksamkeit in Böhmen die von ihm vertretene Richtung vollständig einleben. Welcher Anerkennung sich dieselbe in: ganzen Lande erfreute, bewies außer der Berufung des Meisters nach Kolin und Kuttenberg, sowie seines Bruders Michael nach Goldenkron ganz besonders die Bestellung seines Sohnes Johann als Dombaumeister in Prag, weil derselbe offenbar der berufenste Vertreter zur Einhaltung der von dem Vater durch Jahrzehnte verfolgten, allgemein zusagenden Richtung schien. Die Ausgestaltung derselben wurde wesentlich durch den Znzng deutscher Steinmetzen gefördert, die aus Österreich (Wien), Sachsen, Schwaben, Westfalen, Straßburg, Köln, Mainz, Frankfurt, Würzburg, Nürnberg, Regensburg und anderen deutschen Gebieten nach Prag zogen und hier besonders in der Dombauhütte lohnende Arbeit fanden. Gegen die einheimischen Werkleute waren sie lange numerisch im Übergewicht und vertraten anch die künstlerisch fortgeschritteneren Anschauungen. Manche ließen sich gleich dem Dombaumeister in Böhmen nieder und verstärkten so das Einleben der von ihnen vertretenen Richtung, wie zum Beispiel die Verheiratung des Hofmalers Nikolaus Wurmfer von Straßburg mit der Tochter eines Saazer Bürgers darauf hindeutet, daß der Künstler einige Zeit in Saaz arbeitete. Da die größten Bauten Prags von Peter Parler geleitet wurden und abgesehen von der dabei stattfindenden unmittelbaren Unterweisung einheimischer Arbeiter auch als Musterleistungen anderen Architekten des Landes mittelbar manche Anregung zukommen ließen, so stand die Bau- thätigkeit Böhmens in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts unter dem maßgebenden Einflüsse deutscher Gothik, deren genialster Vertreter der aus der Kölner Hütte hervor- gegangene Peter Parler von Gmünd war. Denn wie dessen Schaffen sich zwar vorwiegend auf Prag coneentrirte, aber zugleich in Landstädte wie Kolin und Knttenberg seine befruchtenden Strahlen aussandte, so bildete die Landeshauptstadt gerade in dieser Zeit mit ihren mannigfaltigen Äußerungen eines abwechslungsreichen Kunstlebens und der dabei besonders zu Tage tretenden Hauptrichtung den Mittelpunkt geistiger Anregung für das ganze Land. Die Zustände, welche unter Karl IV. sich herausgebildet hatten, hielten auch zum großen Theile während der Regierung seines Nachfolgers an. Das Institut der Hofkünstler blieb in Kraft; so wurden besondere Baumeister, Maler und Illuminatoren des Königs bestellt. Die vertragsmäßige Regelung der Rechte nnd Pflichten des Auftraggebers nnd des ausführenden Künstlers dauerte auch fernerhin nicht nur für Ballten, sondern auch für die Herstellung von Tafelbildern, Bilderhandschriften und dergleichen fort. Anch das Jnnungsweseu erstarkte immer mehr. Bis gegen die Wende des XIV. und XV. Jahrhunderts blieben auch die unter Karl IV. znr Herrschaft gelangten Kuustanschauungen vorwiegend im Übergewicht.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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