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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 280 -
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280 scheinen, schlicht und derb. Das malerische Bild der mittelalterlichen Stadtbefestigung mit ihren Bastionen und Thürmen hatte sich besonders lange in Berann unverändert erhalte«, wo auch die solide Ziegeleoustructiou uud Terraeotten technisch manches Interessante boten. Die mit manchen dieser Thorthürme verbundene zwingerähnliche Anlage in der Art des berühmten Krakauer Floriauithors oder des Görlitzer Kaisertrntzes war bei dem 1472 ausgeführten, leider 1841 abgebrochenen Prager Thore in Schlan besonders schon entwickelt. Reste alter Befestigungen, welche jedoch keinen besonderen architektonischen Werth haben, finden sich noch in vielen Städten Böhmens, wie Pilsen, Eger, Brüx, Böhmisch-Leipa, Bensen u. s. w. , Ein höchst originelles Werk schuf die Spätgothik in dem 1497 fertiggestellten zwölfeckigen Brunnen in Kuttenberg, der mit Strebepfeiler, Halbsäulen, Consolen und Baldachinen für Statuenschmuck reich beseht ist, indeß verschiedenartige Maßwerke der an den Seiten angeblendeten Fenster mit krabbenbesetzten Wimpergen ansprechende Abwechs- lung zeigen. Die kunstgeschichtlich besonders wichtige Epoche spätgethischer Anschauungen begann erst mit der Regieruug Georgs von Podebrad und erreichte ihre Höhe unter Wladislaw II., während dessen Regierung Matthias Raysek und Benedict Rieth als bedeutende Meister zweier verschiedener Richtungen von der Menge der anderen Architekten sich abhoben. Ersterer ging in dem Streben, vor Allem eine malerische Wirkung des Änßern und Innern seiner Werke zu erreichen, sogar so weit, daß seine Formen der Struetur des Materiales manch- mal nicht entsprechen, letzterer war vorwiegend Construeteur, der zu immer größerer Fertigkeit vordrang. Die Bauthätigkeit war in der Landeshauptstadt nicht mehr so groß- artig als in der karolinischen Zeit, ja, andere Städte und Gebiete, wie Kuttenberg, der Besitz der Rosenberge, die Städte am Abhang des Erzgebirges, überflügelten Prag. Alle Willkürlichkeiten der Spätgothik, welcher der Sinn für die Betonung des Constructiveu mit der wachsenden Lust an phantastischer Decoration und spielender, übertriebener Zierlichkeit abhanden kam, fanden Beifall. Große Grundrißgedanken wurden nur bei der Fortführung früher begonnener Bauten festgehalten. Stadt- und Landkirchen wahrten den früheren Typus, betonten aber immer entschiedener den Charakter des Predigtraumes, der nach Auorduuug der Emporen mehr Gläubige fassen kann. Die äußere Ausstattung war mit Ausnahme der schönen Knttenberger Denkmale nnd des Pulverthurms derb und manchmal sogar flüchtig und nachlässig. Die Technik blieb im Allgemeinen auf dem schon vor den Hufitenkriegen erreichten Standpunkt, die Kunstauffassung trat hinter dem Zuge des Handwerksmäßigen zurück. Mit dem Einziehen des neuen Herrschergeschlechtes der Habsburger, welches sofort das Hereinfluten edler Renaissance-Anschanungen veranlaßte, war das Ende der Gothik
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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