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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 346 -
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346 Trauttmansdorff von seinen Reisen zurückkehrte und Mißfallen an der neuen Gründung äußerte. Die Ruinen dieses Gebäudes erregten eben wegen der plötzlichen Störung im Ausbau des Schlosses durch ein ganzes Jahrhundert das Interesse von Forschern und Touristen, sind aber seit zwei Decennien von der Oberfläche spurlos verschwunden. Mit dem XIX. Jahrhundert werden in den Schlössern durchgreifende Veränderungen vorgenommen. Schon seit längerer Zeit heißt das Schloß nur uneigentlich so, weil es nicht mehr geschlossen ist, und verdankt seinen Namen nur dem couservativeu Sprachgebrauche. Nun verschwinden die schweren eichenen und stark beschlagenen Thorflügel, welche sonst den Eingang versperrten, die inneren Räume werden wohnlicher und mit mehr Luxus, als es in der „guten alten Zeit" Brauch war, ausgestattet, die Kanzleien werden in separate Amtshäuser verlegt, uud schließlich wird die bisherige Gemeinschaft von Schloß und Meierhof aufgelöst. Gewöhnlich weicht das Schloß, wird auf einen luftigen Platz verlegt und mit Gartenanlagen umgeben. Das Beispiel reicher Landherren befolgend verwendete der kleine Adel auf den Auf- oder Umbau seiner Sitze ziemlich bedeutende Geldsummen und das Streben, es den Größeren nachzumachen, tritt überall hervor. Die alten Besten, soweit sie noch das XVI. Jahrhundert überdauerten, werdeu entweder umgebaut und erweitert oder als Nebengebäude zu ökonomischen Zwecken verwendet, die Gräben zugeschüttet und die nächste Umgebung geebnet. Verhältnißmäßig kleine Edelsitze erhalten im Oberstock die unentbehrliche Tafelstube und eine Kapelle, während das Erdgeschoß für die Küche, die Vorrathskammern und die Diener- wohnung bestimmt wird. Noch aber verbleiben bis in unser Jahrhundert die herrschaftlichen Ämter und Kanzleien im Schlosse, freilich nur auf wenige Localitäten beschränkt. Eine Menge dieser Dorfschlösser besteht noch und trägt das Gepräge jener Zeit, den Zopfstil. In den Jahren 1802 bis 1822 wurde vom Grafen Johann Rudolf Chotek das prachtvolle Schloß Kaeina bei Kuttenberg erbaut, welches, in Form eines gedrückten Bogens angelegt, sich nicht nur durch die schönen Verhältnisse seiner Architektur, sondern auch durch die Einfachheit uud Angemessenheit der ornamentalen Theile auszeichnet. Es konnte eine Zeit lang als der prachtvollste Landsitz gelten, wurde aber übertroffen durch das reizend gelegene,mit ungewöhnlicher Pracht ausgestattete Schloß Frauenberg bei Bndweis, das Ziel eines jeden Touristen, welcher Südböhmen besucht. In den Jahren 1844 bis 1847 an Stelle einer alten Burg und mit theilweiser Benützung des Mauerwerkes mit einem bedeutenden Kostenaufwand erbaut und am 3. September 1847 vom jetzt regierenden Kaiser höchst- eigenhändig mit Einsetzung des Schlußsteins beendigt, ist es unstreitig der schönste und prachtvollste Adelssitz des Königreiches, ein prunkvolles Gebäude, welches mittelalterliche Motive dem modernen Eomfort unterordnet und die theilweise in eiuen Ziergarten umgestaltete, theilweise schon von Natur aus baumreiche und grüne Umgegend beherrscht.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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