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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 368 -
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368 weihevollen Würde oder einer fröhlichen Laune, welche nichts Aufdringliches besitzt. An der Spitze dieser Arbeite» steht das in den Jahren 1491 bis 1493 von Matthäus Illuminator für den Kntteuberger Hofmeister Michael Snn'sek von VrchoviKt' gemalte Cantionale (in den Kunstsammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses in Wien) und ein ziemlich gleich- zeitiges, ähnliches, gleichfalls aus Kuttenberg stammendes Werk in der Hofbibliothek in Wien. Es folgen dann das kolossale Cantionale der fürstlich Lobkowitz'schen Bibliothek zu Prag, das Cant ionale der S tad t Jnngbuuzlau vom Illuminator Janicek Zmilely aus Pisek gemalt, ein stilverwandtes Werk zu Königgrätz von dem reichen Bürger Johann Franns im Jahre 1505 gestiftet, das Graduale der Stadt Deutschbrod, im Auftrage des Nikolaus Trcka von Li'pa von Paul Melniceusis 1506 geschrieben, und jenes der Stadt Leitmeritz, von Jakob Ronovsky von Welgenau und Wenzel von Repnitz gestiftet. Ein großes Bild in dem letzteren stellt die Verbrennung des Hus vor, eine Darstellung, welche zur Zeit der Gegenreformation aus den meisten der anderen Chor- bücher entfernt worden ist. Sonstige Darstellungen haben auf den Inhalt der Gesänge Bezug; bei den meisten hat sich eine traditionelle Darstellungsweise festgestellt, hier und da greifen die Illuminatoren zu den Stichen Schongauers, später auch Dürers und bedienen sich derselben, falls die Auffassung ihrem Geiste entspricht, als Vorbilder, ein Verfahren, welches zu jener Zeit auch in der deutschen und italienischen Kunst nicht zu den Seltenheiten gehört. Der Gebrauch der Gesaugbücher war ein änßerst ausgedehnter; bei jeder Kirche bestand ein Literatenchor, zu dessen Bedürfnissen ein schön geschriebenes Cantionale gehörte. Nach Abschaffung der lateinischen Gesänge begann die Prodnction von neuem. Während in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts einzelne reiche und angesehene Männer das ganze Werk stiften, ist es in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts Ehrensache der ganzen Gemeinde, ein solches zu beschaffen; die Innungen, Bürger und Bürgersfrauen, Patrizier und kleine Lente, selbst Bauern aus der Umgegend trugen das Ihrige dazu bei, daß das seltene Buch sich zu ihrem Andenken und zum Ruhme der Gemeinde so glänzend als möglich gestalte. Es liegt ein eigenthümlicher Zauber darin, in diesen Folianten zu blättern, man sieht das Werk entstehen und wachsen, der Ort und seine Bewohner treten uns leibhaftig entgegen, wir lernen das Leben und Weben eines gottesfürchtigen Geschlechtes kennen und lauschen manchen intimen Charakter- zug den alten Pergamentblättern ab. Selbst Werke von geringerem künstlerischen Werth erhalten hierdurch etwas Anziehendes, vom culturhistorischen Standpunkte sind sie alle von Wichtigkeit. Der massenhafte Bedarf dieser Chorbücher hatte schließlich eine Fabrication im Großen zur Folge. Schon Paul von Melnik scheint die Ausstattung derselben handwerksmäßig betrieben zu haben. Ein Cantionale seiner Hand in der Bibliothek des
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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