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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 436 -
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436 Erzeugnisse des häuslichen Fleißes waren — nämlich von der Stickerei. Vornehmlich waren es königliche Prinzessinnen nnd Jungfrauen aus den vornehmsten Familien, die in Klöstern weilten und mit kunstfertigen Händen nach dem Beispiel der ersten christlichen Fürstin, der heiligen Ludmila, die Kirchengewänder schmückten; noch zur Zeit Karls IV. wurde ein Werk dieser Fürstin, eine große Kirchenfahne, zum Andenken aufbewahrt. Von der letzten Premyslidin Elisabeth wird ausdrücklich hervorgehoben, daß sie kostbare Gewänder, welche sie selbst stickte, dem Prager Dom schenkte und die Gemalin ihres Sohnes Karl IV., Blanka, eine französische Prinzessin, war nicht weniger freigebig dem St. Veitsdom gegenüber, dem sie zahlreiche kostbare Gewänder zukommen ließ. So wurden im St. Veits- dom und in anderen Kirchen prachtvolle, mit Gold und Perlen gestickte Ornate aufgehäuft uud außerdem auch Autipeudieu, Vorhänge und Baldachine, mit denen bei festlichen Gelegenheiten Altäre, Gräber, Kapelle« und die ganze Kirche geschmückt wurde. Au der Spitze dieser Thätigkeit staud als erste nachweisbare Mädchen-Kunstschule das denkwürdige Kloster zu St. Georg in Prag, und wenn bis jetzt sein Erbe, das adelige Damenstift auf dem Hradfchin, eine besondere Sorgfalt auf die Herstellung von Kirchenparamenteu ver- wendet, so bewahrt es mit geziemender Pietät altererbte Traditionen. Von größeren Stickereien hat sich bis auf unsere Zeit leider nur ein einziges Antipendinm und obendrein nicht in Böhmen, sondern in Pirna in Sachsen, von wo es in das Museum des königlich sächsischen Alterthumsvereines in Dresden gelaugte, erhalten. Pirna gehörte nämlich in den Jahren 1298 bis 1403 zu Böhmen, und das Bild des heiligen Wenzel beweist, daß das kostbare Antipendium in Böhmen entstanden ist. Die Mutter Gottes, die Christus zur Seite sitzt, uud die Figuren der Heiligen verrathen den- selben künstlerischen Charakter, den wir auch im Passionale der Äbtissin Kunigunde bemerken. Neben Arbeiten dieser Art waren namentlich Perlen- und Goldstickereien, die traditionell bis in das XVII. Jahrhundert gepflegt wurden, beliebt. Etwa aus dem Anfang des XIV. Jahrhunderts stammt die Mitra des heiligen Adalbert, welche eigentlich eine Hülle der ursprünglichen Mitra ist, und ebenfalls in dem Domschatze befinden sich auch andere Perlstickereien mit dem Bilde des Erlösers, der Jungfrau Maria und der böhmischen Heiligen. Letztere Arbeiten fallen gewiß schon in die Zeit Karls IV., in welcher neben den verschiedenen Gebieten der Kunst auch zahlreiche Zweige des Kunstgewerbes zu einer bedeutenden Höhe gelangt sind. Die Person Karls IV. steht bei dieser Entwicklung im Vordergrund. Namentlich war es eine seiner Eigenschaften, die das Kunstgewerbe förderte; Karl IV., dieser ruhige, besonnene Herrscher, war ein leidenschaftlicher und vielleicht auch der erste Sammler überhaupt auf dem böhmischen Throne. Sein uuermüdlicher Sammeleifer galt zwar nicht etwa, wie es bei nnseren Mnseen der Fall ist, den Kuustgegenständen selbst,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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