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Laufe des III., ja in der Donaugegend erst des IV. Jahrhunderts znr Entwicklung. Ihr
zufolge war die Provinz in zwei Erzbisthümer getheilt: das von Sirmium in Unter-
Pannonien und das von Lauriacum in Ober-Pauuonien.
Die transdanubischeu Bisthümer oder vielmehr Kirchengemeinden: die von Sabaria,
Scarabantia, Bregeüo, Sopianä, Cnrta, Carpis, Aquincum gehörten unter die Juris-
diktion des letzteren Erzbisthnms. Im Jahre 303 wurde Quiriuus, Bischof von Siscia,
durch seine Verfolger nach Sabaria geschleppt und hier ertränkt. Die Christen errichteten
unweit des Schauplatzes seines Mürtyrertodes eine Kapelle, begruben jedoch den Märtyrer
in der Basilika am Scarabantischeu Thore.
Etwa 50 Jahre später flüchtete sich der heilige Martinns, später Bischof von Tours,
vor den Arianern aus seiner Geburtsstadt Sabaria. Demnach bestand in Sabaria, der
durch Claudius gegründeten ältesten römischen Colonie dieser Gegend, schon im IV. Jahr-
hundert eine große christliche Gemeinde, die sich eine Kirche baute und sogar Schauplatz
religiöser Zwistigkeiten wurde.
In der Gegend von Steinamanger kommen auch verhältnißmäßig am zahlreichste»
die im Übrigen jenseits der Donau seltenen Denkmäler des Christenthums vor: Stein-
särge und Grabsteine, die außer der Inschrift noch das Monogramm Christi ausweisen,
dann Thonlampen mit christlichen Symbolen, darunter der Figur des Fisches
Eiuer eigenthümlichen Laune des Zufalls verdankt das Gebiet jenseits der Donan
zwei urchristliche Denkmäler von außerordentlichem Interesse. Das eine ist die Grab-
kammer zu Fünfkirchen, die dem Bereiche der Baukunst und Malerei angehört; das andere
eine geschuitzte gläserne Schale (vas äiatrewm), die in einem Steinsarge zu Szegzärd
gefunden wurde.
In der Nähe des Domes zu Fünfkirchen führen zehn Stufen in einen engen, aus
Backsteinen erbauten Gang späteren Ursprunges hinab; von hier tritt man in eine kleine
Vorhalle, die ein unregelmäßiges Viereck bildet, und aus dieser durch eine ruudbogige Thüre
iu ein gleichfalls aus Backsteinen gebautes, mit einem Tonnengewölbe bedecktes Gelaß vou
3 22 Meter Länge, 2 82 Meter Breite und 2 21 Meter Höhe. Dieser Raum ist mit Wand-
malereien geschmückt. Die Wand der einen Schmalseite hat um die Thüröffnung her ein
Rankenwerk von Schlingpflanzen. Gegenüber sieht man, rechts und links von einer fenster-
artigen Öffnung, Petrus und Paulus in Togen gekleidet; beide deuten mit den erhobenen
Rechten auf das über der Öffnung befindliche Monogramm Christi. Jede der beiden Längs-
seiten hatte im unteren Theile des Gewölbes drei Felder mit figürlichen Darstellungen.
Von drei Feldern ist der ganze Mörtel abgefallen und die Malereien sind vernichtet; die
anderen drei sind sehr beschädigt. Das eine Bild zeigt die Geschichte des Propheten Jouas;
das Schiff, der Walfisch, die Gestalt Jonas' unter der Laube sind deutlich zu erkennen.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch