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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 109 -
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109 Goldplatte überzogen ist; die Augen der Grille bestehen aus einem Granat in zellenartiger Fassung und auch die Flügel sind mit ebenso gefaßten Granaten geschmückt. Die zu Szent-Endre in der Nähe von Budapest, dann zu Bölcske und Nagy- Mänyok im Tolnaer, zu Mmetsürü im Somogyer und bei Kassa im Baranyaer Comitat eröffneten Avarengräber lieferten den erwähnten ähnliche Gürtel und Ohrringe, aber auch mit Silberblech überzogene kupferne sowie bronzene Spangen und Knöpfe, ferner als Besonderheit Ohrgehänge aus Goldfiligran und Spangen, deren Schmuck aus Granaten oder Glasstücken in zellenartiger Goldfassung besteht. Unter den Waffen finden sich weniger Dolche, aber destomehr Schwerter; auch Schlachtbeile kommen vor. Das Pferdegeschirr aus Gräbern, wo das Roß mitbegraben war, ist mit bronzenen Rnnd- und Flachknöpfen verziert. Steigbügel gibt es zweierlei, beide aber sind rund. Unter den Denkmälern der heidnischen Magyaren sind am charakteristischesten die mit Rosen verzierten silbernen, aber vergoldeten Spangen, Flach- und Rundknöpfe, die mit Blumen im Relief geschmückten Gehänge und der birnenförmige Steigbügel. Die wichtigsten Fundstätten sind: Neßmely im Komorner Comitat, der Demkö-Berg bei Stnhlweißenburg, dann Csorna und Csorna-Csatär im Raaber Comitat. Die in obigen drei Gruppen erwähnten Gegenstände gelten den maßgebenden Forschern als Denkmäler der heidnischen Hunnen, Avaren und Magyaren. Die in den Gräbern gefundenen römischen und byzantinischen Münzen bezeichnen die genaue Zeit- grenze der Bestattungen. Die Anthropologie hat an den Schädeln die Kennzeichen der mongolischen und der kaukasischen Race festgestellt. Es kann daher kaum ein Zweifel obwalten, daß jene Gräber in die Zeit der Völkerwanderung, ja geradezu in die Jahre fallen, in denen die Hunnen, Avaren und Magyaren hier eingewandert sind. Auf die Frage jedoch, inwiefern die in den Gräbern gefundenen Gegenstände Beutestücke oder eigene Erzeugnisse der Hunnen, Avaren und heidnischen Magyaren seien, hat die Wissenschaft bisher noch keine bestimmte Antwort ertheilt. Mit Ausnahme der sogenannten Zellen- arbeiten, das heißt, der mit Edelsteinen in zellenartiger Fassung verzierten Gegenstände, kommen die in Ungarn gefundenen charakteristischesten Objecte aus der Völkerwanderungs- zeit in den Ländern Westeuropas nicht vor. Daraus folgt, daß beide von verschiedenem Ursprung sind. Indeß ist es auffällig, daß ein im Filigranschmuck so geschicktes Volk so viele gleichförmige Gegenstände gearbeitet hat, da doch gerade diese Verzierungsweise von selbst zur Abwechslung auffordert. Dieser Widerspruch wird selbst durch die Voraussetzung nicht gelöst, daß vielleicht die Ohrgehänge der hunnischen und avarischen Frauen eine symbolische Bedeutung hatten. Und kein geringerer Widerspruch ist an den Gürteln wahrzunehme», wo die lebensvolle und charakteristische Bewegung der Thiere mit einer verallgemeinernden, rohen Ausarbeitung der Formen Hand in Hand geht.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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