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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 292 -
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292 ein Meisterwerk der italienischen Renaissance, das Graf Pipö durch den berühmten Masolino mit Fresken ausmalen ließ, so daß selbst die Florentiner es bewunderten; von alledem ist heute keine Spur und Ozora's Ruf beruht jetzt mehr auf seinen vielbesuchten und rauf- lustigen Kirchweihfesten als auf den verschwundenen alten Kunstwerken. An den westlichen Rändern liegen Totkeßi, der Stammsitz der Familie Nyäry, Bedeg, Szäntö, das durch seine lärmenden Abgeordnetenwahlen berühmte Szakcs und weiter unten das waldige Läpasö. Damit haben wir die nennenswerten Orte des Bezirks ringsum begangen, im Inneren aber finden wir blos Felsö-Jreg, Nagy-Szokoly, Könyi, Kocsola und Gyula-Joväucza mit noch etlichen kleineren Ortschaften. Gerade in der Mitte liegt Tamäsi, der Hanptort des Bezirkes, und nahebei der schönste und größte Wald des sonst waldarmen Tolnaer Comitates, der wildreiche Eichenforst von Tamäsi, den das Somogyer Comitat gleichsam herüberragen läßt. Dieses Gebiet ist, wie gesagt, mit dem von Somogy übereinstimmend, ein hier und da von niedrigen Bergen durchschnittenes, wellig-hügliges, ertragreiches Fruchtgefilde. Die Bevölkerung ist magyarisch, nnd wie das Land, so ist auch das Volk mit dem von Somogy in Körperbau, Farbe, Tracht, Mundart, Beschäftigungsweise und Sitte ver- wandt — ein starkes, arbeitsames, ausdauerndes Volk, das sich leicht anfreundet, aber auch reizbar und eigensinnig und in den Extremen unbändig. Die beiden bisher geschilderten Bezirke sind also von Magyaren bewohnte Ebenen. Zwischen ihnen, in der Mitte des Comitats, streicht von Nord zu Süd der dritte Abschnitt, jene von Döbrököz bis Simontornya reichende Berggegend, die, wie bereits erwähnt, von den Bächen Kapos und Siö in Gestalt eines umflossen ist. Hier sind die Abhänge und Thäler von Deutschen bewohnt. Diese wissen der Ungunst des Bodens durch Fleiß nnd Sparsanikeit zu begegnen und die Unfruchtbarkeit fruchtbar zu machen, sie pressen Öl selbst aus den öden Hügeln, die noch vor kurzem von mehr Wein als Wasser überrieselt waren. Der deutsche Bauer ist, woher er auch kam und wohin er auch gelangte, stets der nämliche. Er mag hier reicher, dort ärmer sein, allein überall ist er sparsam, um sich greifend, auf Erwerb bedacht und dabei in seinen Sitten und Gewohnheiten beständig, abgeschlossen, der Mischung mit fremden Elementen abhold. Die Deutschen leben auf diesem Gebiete zumeist in geschlossenen Massen nud gehören zur Hälfte der römisch-katholischen, zur Hälfte den beiden protestantischen Kirchen an. Ihre Ahnen wurden hier größtentheils durch den General Grafen Claudius Florimund Mercy angesiedelt, und zwar anfangs ohne Rücksicht auf Sprache, Religion nnd Abstammung, in der Absicht eine Vermischung herbei- zuführen. Später aber faßte es der Graf anders an, denn der Doroger Bauernrichter hatte ihm gesagt: „Es wäre ja alles recht schön, aber eines habenEuerGuadeu zu verfehlen geruht: in jedem Dorfe nur eine Nation und eine Religion!" Der Graf sah das ein,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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