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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 295 -
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295 hielt es stetig aufrecht, ohne freilich die Entwicklung zu erleben; ihm dankt man das Vorbild der jetzige» staatlichen Seidenspinnerei, die gleichfalls einen Bezeredj zum Director hat. Und während er der Führer der Erwachsenen war, wurde seine gleichgesinnte Gattin Amalie, gleichfalls eine geborne Bezeredj, die Mutter und Amme der Kleinen, für die sie jenes hübsche Büchlein schrieb, „Flori's Buch", das der erste Spielgenoß so vieler Tausende von Kindern geworden. Um die Wette mit ihrem Gatten schreibt sie, bessert das Dienstbotenwesen, errichtet auf ihrer Besitzung eine Kinderbewahranstalt, die erste neben der ersten Seidenspinnerei oder doch eine der ersten. Ja, auch die süße Sorge des Krippenwesens hat der Tolnaer Adel zuerst auf sich genommen. Die Menschenliebe der Gräfin Therese Brunßvik bahnte die edle Angelegenheit an und das Tolnaer Comitat war das erste, das ihren warmen Aufruf durch eifrige Unter- stützung der Sache beantwortete. Die gründenden Mitglieder des Vereins für Verbreitung der Kinderbewahranstalten sind vornehme Damen und hervorragende Persönlichkeiten des damaligen öffentlichen Lebens; um König Ferdinand V. sehen wir unter Anderen Anton Anguß, Stesau Bezeredj, Graf Leo Festetits gefchaart. Graf Leo Festetits errichtet auf seiuer eigenen Besitzung, in Tolna, dem damals noch ganz deutschen Städtchen, und größtentheils auf eigene Kosten die erste Präparand ie für Kinderbewahrer und daneben als Übungsschule die Muster-Kinderbewahranstalt. Im Schatten der großen Namen arbeitet und denkt ein bescheidener Menschenfreund weiter, der Director der Anstalt, Stesau Barga; er verfaßt ein großes, grundlegendes Project, das die Stände des Tolnaer Comitats auf Kosten der Adelscasse in tausend Exemplaren drucken lassen und an alle Jurisdiktionen des Landes versenden. Eine andere Burg der Humanität bildeten zwei Stiftungen des Grafen Styrum- Limbnrg, die eine der Zukunft, die andere der Vergangenheit geweiht, als lägen Baum- schule und Kirchhof nebeneinander und beide uuter die Verwaltung und Aufsicht des Tolnaer Comitats gestellt. Aus der einen beziehen adelige Jünglinge des Tolnaer Comitats bis an das Ende ihrer Studien von Jahr zu Jahr steigende Stipendien; aus der audereu genießen zwölf verarmte Edelleute in der alten Burg von Simontornya eine anständige Versorgung, daher auch die Burg von dem weniger hnmanen Volkshumor den Namen „Maststall" bekommen hat. Auch die Muse ergeht sich in diesen Thälern und baut sich da ihr Nest. Sie sucht und findet die Spuren ihrer Söhne. Szent-Lörincz und Borjäd bergen jedes einen Busch, auf dem sich einst Petöfi auf kurze Zeit niedergelassen; dort verbrachte er ein kurzes Lehr- jahr, hier sang er einen kurzen Lenz hindurch. Der Sänger der Ärpäden, der klangreiche Garay, wurde der Nation in Szegzard geboren; der Vater der Dichter, Vörösmarty, erwuchs zn Bonyhad, wo er auf dem Perczel'scheu Hofe erzogen wnrde. Niemals konnte
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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