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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 296 -
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296 er das Thal von Szeplak vergessen, das Feenland seiner Jugend, und er hat es in seinem Gedichte „Szöplak" verewigt. Im Schoße der Thalwelt, wo in tiefen Gründen die Quellen springen, grünen zwei kleine Musennester, Gyönk und Bouyhäd. Beide sind deutsche Ortschaften, jenes ziemlich ungeordnet und klein, dieses groß, schön, offen, zum Wettbewerb geschaffen, ein überraschend reinliches, angenehmes Städtchen. In beiden liegen adelige Schlösser und Höfe, in jedem besteht ein kleines Gymnasium, dem vorbeifließenden Bächlein gleich mit wenigem, aber krystallklarem Wasser. Und wie die Quelle von Keinem gegraben worden, so sind auch sie gleichsam von selbst geworden; man hat sie nicht gegründet, nicht gebaut, sie sproßten von selber auf wie aus einem Samen, wie ja die meisten protestantischen Gymnasien in früherer Zeit. Die Geschichte dieser fast gleichaltrigen Schulen bietet uoch zwei bemerkenswerthe Momente. Keine befindet sich dort, wo sie entstand, sondern beide sind verpflanzt; die Wiege des Bonyhäder Gymnasinms stand in Sär-Szent-Lörinez, die des Gyönker in Nagy-Szekely. Und dann ist es merkwürdig, daß der aus lauter Deutschen bestehende Tolnaer evangelische Kirchendistrict ursprünglich seine einzige rein magyarische Gemeinde, Sär-Szent-Lörinez, zum Sitz des Gymnasiums bestimmte, der von lauter Magyaren bewohnte resormirte District hingegen seine einzige rein deutsche Gemeinde. Und die sorgsamen Eltern bringen von fern ihre Kinder herbei, da diese hier, wie gehofft wird, deutsch lernen werden. Aber diese Hosfnnng täuscht. Und uoch ein Versteck besteht in Tolna: Lengyel; ein wahres Versteck, wohin man durch Waldungen und Bergspalten, von Gipfel zu Gipfel klimmend, von Thal zu Thal niedergleitend, gelaugt, um endlich vor dem Schlosse des Grafen Alexander Apponyi zu stehen. Ein geschmackvoller, prächtiger Bau, mit aller Bequemlichkeit verschwenderisch ausgestattet, auch für Gäste. Die Fa^ade wird von dem Laubschatten eines ausgedehnten Haines gekühlt, zwei gewaltige Flügel umfassen einen weiten, mit Ziersträuchern geschmückten Hof; rechts vom Schlosse liegt die große landwirthschaftliche Installation, an den Hain schließt sich eine umfangreiche Weingartenanlage. Der Oberstock des linken Flügels enthält die „beiden Schatzkammern", nämlich Bibliothek und Museum; der Sammler, Erwerber, Cnstos und Direktor beider ist der gräfliche Eigenthümer selbst; auch der breite Corridor, der dahin führt, ist mit Schätzen angefüllt, mit alten und seltenen Landkarten, Kupferstichen, Holzschnitten. In der Bibliothek gibt es Uuica, Jucuuabelu, erste Ausgaben; eine besondere Abtheilung enthält in möglichster Vollständigkeit alle im Auslande und in fremden Sprachen erschienenen alten Bücher, in denen Beziehungen auf Ungarn vorkommen; eine andere Abtheilung bildet eine stattliche, sehr vollständige Sammlung alter, geschriebener und gedruckter ungarischer Bücher. Und es sind lauter wohlerhaltene, reine Exemplare.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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