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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
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311 ihre Nationalität nicht ab, besonders wenn sie etwas Aneifernng finden. Das Landvolk klammert sich zäh an seinen Boden, kann sich aber nicht ausbreiten, weil viel gebundener und ungebundener Großgrundbesitz vorhanden ist. Die Hälfte des gauzeu Comitats- gebiets, 600.000 Joch, ist Ackerland, wovon jedoch nur 40 Procent Bauerngüter sind, während das Übrige mittleren und Großgrundbesitzern gehört. Und auch diese Güter sind größtentheils schon richtiger Großgrundbesitz. Kleinere Landwirthschaften, das heißt solche von 200 bis 400 Joch, von denen es im großen Alföld wimmelt, gibt es hier kaum; die richtigen Besitzungen, wie es deren viele gibt, beginnen bei 800 Joch und steigen dann aufwärts bis zu den Zehn- und aber Zehntausenden der Esterhäzy, Festetits, Huuyadi, Jankovies, Szechenyi, Zichy, Jnkey, Czindery-Wenkheim u. f. w., sowie der geistlichen Besitzungen. Es läßt sich leicht denken, daß das Geschick des Adels noch wechselvoller war als das des Volkes. Die alten adeligen Familien starben entweder aus oder schieden für immer; nur die Merey, Vefsey und Zichy kehrten auf ihren vielhnndertjährigen Besitz zurück. Ganz neue adelige und zum Theil hochadelige Geschlechter besetzten das Somogyer Comitat, keineswegs zu beiderseitigem Nachtheil in Bezug auf die Cultiviruug der nationalen Einrichtungen, wie auf die Bewirthschaftung der Güter. Die Somogyer Aristokratie wirthschaftet gut und ist reich. Ihre Kornspeicher und Scheuern sind gefüllt, ihr Grundbuch ist rein, höchstens durch Anlehen belastet, die zu neuen Erwerbungen verwendet wurden. Die Landwirthschaften sind mit einer bis ins Äußerste gehenden Vollständigkeit investirt, und wer Somogy kreuz und quer bereist, weiß gar nicht, nach welcher Seite er schauen soll. Denn von allen Seiten winken ihm Maierhöfe von verschiedenen Musterwirthschaften entgegen, über angebaute Tafeln hinweg, die von thurmhohen Baumreihen umzogen sind. Und auf diesen Tafeln wird wohl bald das Somogyer Urprodnct, der Roggen dem Weizen Platz gemacht haben und der werthvollsten Gerste des Landes uud den Hackfrüchten und Futtergewächsen und der Zuckerrübe, von der der Somogyer Boden erst seit jüngster Zeit überquillt. Wie lange noch, und die alte Formel wird kaum noch einen Sinn haben, mit der einst der Somogyer Patriotismus seine Heimat begrüßte: „Mein theures, schönes Land! du bringst zwar nur Roggen hervor, aber ich liebe dich trotzdem von Herzen." So ist denn Somogy dem Volke wie den Herren des Bodens eine glückliche Heimat. Desto schlechter steht es nm die etwa 10.000 Köpfe des sogenannten niederen Adels (Bundschuhadels), dessen Vorfahren einst das Vaterland mit den Waffen vertheidigten und getreue Wächter der uationaleu Überlieferungen Ungarns waren. Diese Race führt in den engen Schranken ihrer überdies sandigen und unfruchtbaren Scholle einen von Tag zu Tag schwereren Kampf mit den Sorgen des Lebens.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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