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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 346 -
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346 umgürtet, von den äußeren Mauern und Thürmen aber steht nur noch ein Stück an der Westseite aufrecht. Eine kurze Strecke von Siklös liegt der berühmte Wallfahrtsort Gyüd, .Qanäicka qua Acminas ostenckunt eulmina turres" (auf weißen Hügeln zeigen sich seine beiden Thürme); weiter führt eine von hohen Pappeln eingefaßte gute Landstraße gegen Westen nach Harkäny, dessen schwefelhaltiges Badewasser inmitten eines weiten Parkes als dicke Säule emporsprudelt. Die schattigen Anlagen, Rosen- und Oleanderhaine, sauberen Pfade, wohl eingerichteten Wohn- und Baderäume lassen fast vermuthen, man sei hier in ein Luxusbad gerathen, allein in einer Kammer sieht man die Krücken aufgehäuft, welche die Geheilten zu daukbarem Angedenken zurückgelassen haben. Sagt nur die Hälfte dieser Krücken die Wahrheit, dann ist dieser aus der Unterwelt aufsprudelnde kleine Phlegethon ein Gottessegen; sein überschüssiges Wasser läuft als Bach, wie eine Schlange, aus der Gemarkung hinaus, immer noch dampfend und schwarz, selbst wo er sich bereits mit einem anderen Bache vereinigt. Dicht bei Harkäny liegt ein altes Dörfchen, Terehegy, dessen Herrn, Johann Bika von Teremhegy, einst zur Zeit Ludwigs II. das Baranyaer Comitat als Ablegaten zum Reichstag auf dem Räkosfeld gesandt hat. Hier endet die herrenmäßige, oder wie sie sagen, „bunte" Volkstracht der Hegyalja; die folgenden Dörfer blühen bereits ohne Übergang in weißer Kleidung. Das ist die schöne Ebene des Ormänsäg, längs der Dran bis Somogy hinauf, ein Wald- und Anland mit schwarzem Sandboden und etwa vierzig kleinen Dörfern voll weißgekleideten Volkes, das sich seine grobe Leinwand für den Werktag und die feine für den Feiertag selber webt. Nur die Schürze ist beim jungen Volk roth, bei dem mittleren Alter blau mit weißen Blümchen, bei den Alten und in Trauer Befindlichen aber weiß. Ihre Tracht ist bereits in Band I dieses Werkes, im Aufsatz über die „Ungarische Volkstracht" genauer geschildert. Der fruchtbarste Theil des Ormänsag heißt Bö-köz (reiches Zwischenland). Die Dörfer, die meist nur aus einem kurzen Gäßchen bestehen, sind klein und wenig bevölkert; es gibt mehr unter, als über 400 Seelen; bis 1000 zählt keines. Die Häuser sind nach Somogyer Art meist auf Balkenwerk gebaut, ursprünglich ohne Schornstein und mit einem Strohdach gedeckt, das aber unter den schattigen Obstbänmeu der Höfe und den zahlreichen Pflaumenbäumen der Gärten fast verschwindet. Das Volk des Ormänsag ist mit dem an der Dran wohnenden Somogyer Volk verwandt, ja verbrüdert; sie sind identisch an Religion, Bauweise, Sitten und Gewohnheiten; auch Dialect und Tracht unterscheiden sich nur wenig. Es ist ein schlichtes, anständiges, gelehriges Volk; es gibt da wenig schlimme, übelbeleumdete, bemakelte Leute. Es ist nicht so vielseitig uud belesen wie das von Siklös, aber was es weiß, das weiß es besser, nämlich den Psalter und die Bibel. Leseu uud schreiben kann Jeder, besonders aber singen, denn dies ist der singlustigste und
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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