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dann Vät, einst Nädasdy'scher Besitz; nahe dabei die Kapelle von Heiligenbrunn (Szent-
Kut), im vorigen Jahrhundert ein berühmter Wallfahrtsort mit Kloster. Der Kronhüter
Graf Thomas Nädasdy hatte hier im Jahre 1734 den Servilen Kirche und Kloster gebaut,
die jedoch 1788 eingingen.
Der Günsflnß durchschneidet den Bezirk. Ostlich von ihm liegt Ebene, westlich welliges
Hügelland. Die höchste Erhebung ist der Vashegy (Eisenberg). Die Gewässer heißen Güns
(Gyöngyös), Prenten (Perint), Pinka n. s. f. Die Bevölkerung ist überwiegend magyarisch.
An den Bezirk von Steinamanger stößt im Osten der Bezirk von Särvär. Der
Hauptort desselben, Särvär , gehörte zu Ausaug des XVI. Jahrhunderts der steinreichen
Familie Kanizsay. Ursula Kauizsay verlobte sich im Jahre 1532 mit dem Grafen Thomas
Nädasdy, Bauus von Croatien, Index Curiü und späteren Palatin, der dann sämmtliche
Güter der im Mannesstamm erloschenen Familie Kanizsay, darunter auch Särvär, in
Besitz nahm. Er gründete in Särvär, gleich nachdem er sich dort niedergelassen, mit
großen Kosten eine Schule, die aus Elementarschule und Gymnasium bestand. Im Jahre
1536 errichtete er daselbst eine treffliche Bnchdrnckerei, deren Leiter Benedikt Abädi war.
Hier wurde auf ungarischem Boden das erste Buch über ungarische Philologie gedruckt,
und zwar die ungarische Grammatik des Johann Erdösi-Sylvester mit lateinischem Titel
und Text. Von den Nädasdy ging Särvär an die verwandten Draskovich über. Dann hatten
es die „genuesischen Herren" (Pallavicini) in Pacht, dann kamen die Szily und Erzherzog
Franz von Este, Herzog von Modena. Die jetzige Eigenthümern: ist Erzherzogin Maria
Theresia, Gemalin des Prinzen Ludwig von Baiern. Historisch berühmt ist die alte Burg
von Särvär, die ursprünglich auf Pfählen erbaut, durch Thomas Nädasdy um die Mitte
des XVI. Jahrhunderts wesentlich umgestaltet wurde. Sein Sohn Franz begann 1588
den Umbau der Wälle, die größteutheils noch bestehen, in Steinmaterial; Franzens Sohn
Paul führte diese Arbeit zu Ende, was eine Wandinschrift im Burghofe, rechts neben dem
Thore, uoch jetzt bezeugt. Links neben dem Thore aber berichtet eine zweite Tafel, daß
Erzherzog Ferdinand im Jahre 1803 die Burg erworben und die Absicht gehabt, sie
wieder herzustellen, wie auch die umgebenden Sümpfe abzuleiten, hieran jedoch durch den
Tod verhindert worden sei, woraus sein Sohn Franz das Werk durchgeführt habe. Höchst
bemerkeuswerth ist der Ehrensaal der Burg, mit interessanten Malereien an Decke und
Wänden. Dieser im Oberstock befindliche Saal ist ein längliches Viereck, geräumig und
hoch, mit kuppelartigem Dach. Die Deckengemälde behandeln die Schlachten bei Totis,
(1597), Ofen (1602), Veßprem (1596), Päpa (1597), Raab (1598), Kauizsa (1602) und
in der Mitte Sissek (1593). Jedem Bilde ist die lateinische Benennung der Schlacht, nebst
Jahreszahl beigefügt. Der Maler ist unbekannt. Schwerlich ist es Stesan Dorfmeister,
der im Jahre 1769 die trefflichen biblischen Gemälde an den vier Wänden herstellte,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch