Seite - 396 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
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vor dieser die Hühnersteige. An der linken Seite der Hausstelle steht der Schweinestall
(„Kob'n"). Links vom Thor, mit diesem nnter einem Dach, befindet sich ein geräumiger
Wagenschuppen, der sich nach dem Hofe öffnet. Znweilen bildet das Hienzenhaus eine»
von allen Seiten geschlossenen Vierkant (fränkischer Hof). Die Mitte des Hofes nimmt
die für das Hienzenhaus charakteristische Düngergrube in ihrem hölzernen Kranz ein. Im
südöstlichen Theile des Gebiets, wo die Hienzen sich schon mit Magyaren und Slaven
beriihren, herrscht häufig noch das hölzerne Hans vor und anch die Anordnung des
Hansplatzes weicht vielfach ab.
Die Hauptbeschäftigung des Hienzen ist die mit Viehzucht verbundene Landwirth-
schaft. Sein geringes Ackerland ist oft sehr zerstückelt und zerstreut und die etwas primitive
Bearbeitung, hie und da mit eigenthümlichen Werkzeugen, z. B. dem Sommerschlitten,
dem „Leitenpflug", ist zeitraubend, zersplittert die Kräfte und zahlt sich nicht gut aus.
Um hinreichend Brot zn haben, muß also der Hieuz ernten, auch wo er nicht gesät hat.
Während sein Bischen Getreide in den heimischen Bergen reift, das übrigens oft selbst
durch die weiblichen Hände zu bewältigen ist, geht er als Schnitter oder Drescher zu
seinem Wieselburger Nachbar und in das ungarische Alföld, zuweilen auch nach Nieder-
österreich, und verdient sich damit oft Brot für das ganze Jahr. In mancher Hügelgegend
erzielt er guten Wein und „führt" ihn selber nach Niederösterreich, dessen Wein durch die
Mischung süffiger wird. Seine besten Obstsorten, die berühmten Maschanzger Äpfel, die
Kirschen und Kastanien werden von den Weibern meist nach Wien geschafft. Dort ist anch
der Markt des Vogelstellers, der mit außerordentlicher Geschicklichkeit in eigens gemietheten
Revieren die Krammetsvögel, aber auch Schnepfen und Rebhühner znsammenfängt; früher
trug er seine Nachtigallen bis nach Italien. Als Geflügel-Hansirer durchstreift er weite
Landstriche und sammelt in seinem Käfigwagen alles Hausgeflügel. In den entlegenen
Wäldern gibt es Kohlenbrenner.
Eigentlich ist der handfertige, anstellige, auskunftreiche, rührige Hienz durch seine
Lebensverhältnisse mehr für Handel und Gewerbe, als für die Landwirthschaft bestimmt.
Außer den erwähnten Bodenprodneten bringt er auch seine gewerblichen Erzeugnisse
(z. B. Böttcherwaaren) gerne selber auf ferne Märkte. In den näheren, von Magyaren
bewohnten Orten ist meist der Hienz der Gewerbsmann. Die Landseer Maurer arbeiten
den Sommer in Budapest und Wien, auch die Zimmerleute von Unter-Rabnitz gehen ins
Weite. Die Thonwaareu von Stoob sind vortheilhaft bekannt. Die Drechsler und Sieb-
macher stehen uoch gut, die ehemals blühenden Bekleidungsgewerbe jedoch sind dnrch
die Fortschritte der Fabrikstechnik und die Geschäftsweise des Großkapitals bedeutend
zurückgegangen. Als Hausindustrien sind noch die Korbflechter« und Besenbinderei zu
erwähnen.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch