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die verwitwete Gräfin Laura Henckel-Doimersmarck, geb. Käßouyi. Karlburg ist auch
wegen seiner englischen Pferdezucht und Trainiranstalt berühmt. Früher hatte die
Herrschaft hier eine großangelegte Gärtnerei und Obstbaumschule. Ju der Wand des
Glashauses sind noch römische Denksteine zu sehen. Von der im XII. bis XIII. Jahrhundert
im romanischen Stile gebauten Kirche sind nur Thurm uud Chor unversehrt geblieben.
Die Bewohner, 1668 an der Zahl, sind Deutsche und Magyaren.
Links von der Preßbnrger Straße liegt die gegenwärtig dem Grafen Josef Batthyäuy
gehörige Kittseer Burg (Köpcseuy), an die sich viele geschichtliche Erinnernngen knüpfe»,
darunter ein das Land aufwühlender Proceß, der im XVII. Jahrhundert das Land in
Aufregung versetzte und mit der Enthauptung Ladislaus Liszthi's, Verfassers einer
ungarischen Erzählung in Versen (Nn^nr klnrs — der ungarische Mars), endete, dann
allerlei Gravamiua des Reichstages und in neuester Zeit das Audeukeu an den ersten
Dampfpflug, der hier am 18. Juni 1861 vorgeführt wurde. Obgleich Schulhof, der
damalige Pächter des Fürsten Esterhäzy, die hochwichtige Erfindung nicht nnr hier, sondern
auch in Delta (Temeser Comitat) zur Anwendung brachte, konnte das Ackern mittelst
Dampfpfluges in Ungarn dennoch erst nach einein Jahrzehnt heimisch werden. Dies
geschah znerst in Ungarisch-Altenbnrg, wo im Jahre 1870 ein Fowler'scher Dampfpflug
mit Zweimaschinen-System eingeführt wurde; gegenwärtig sind im Albrechtsfelder
Ökonoiniebezirk eine, im Albert Kasimir'schen zwei Dampfpfluggarnituren von je zwanzig
Pferdekräften in regelmäßiger Verwendung.
Verläßt man Altenburg mit der Eisenbahn, so kommt man ans der Linie Brnck an
der Leitha zuerst uach Kaltenstein (Level). Hierauf folgt die Station Straß-Sommerein,
wo die Domäne ein für die Aufnahme vou 15.000 Metercentner Getreide bestimmtes
Producteumagazin besitzt. In den Jahren 1883 und 1884 wurde von hier aus eine
32 Kilometer lange, später durch Flügelbahnen ergänzte Pferdebahn zur Verbindung
der einzelnen Domänentheile erbaut; sie reicht bis in den Hansag hinein, von wo sie
Heu und Torf holt, während sie ans den Domänentheilen Producte für deu Weltverkehr
befördert.
Straß-Sommerein (Hegyeshalom), das jetzt außer Getreidebau auch Weinbau
betreibt, ist eiu sehr alter Ort und kommt schon in dem von Andreas II. zu Gunsten der
Cistercienserabtei von Heiligenkreuz im Jahre 1217 ausgestellten Schenknngsbries vor.
König Sigisinnnd verpfändete es 1436 an Albrecht Herzog von Österreich. Der Ort
besitzt eine schöne, mit Mauern umgebene katholische und eine ansehnliche evangelische Kirche.
Die nächste Station ist Nickelsdorf (Miklosfalva) mit 1.782 znr Hälfte römisch-
katholischen, zur Hälfte evangelischen Einwohnern. Die schöne römisch-katholische Kirche
ist 1783 erbaut. Neben der Kirche stand das ärmliche Häuschen des evangelischen
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch