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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 498 -
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498 In den Reitschulen vor dem Schlosse sieht man dann noch in den Morgenstunden, von militärisch uniformirten Reitknechten geritten, das dreijährige Halbblut an Stuten- und Hengstfohlen, wie es an den Sattel gewöhnt und erst im Schritt, dann im Trab und Galopp geübt wird, worauf die Stuteu unter systematisches Training genommen und mit ihnen Rennen veranstaltet werden. Auch in der Kisberer Halbblutzucht wird nämlich der Grundsatz befolgt, der das englische Vollblut geschaffen und ihm den Vorrang vor allen anderen Pferdera^en gesichert hat: daß zur Zucht nur Pferde verwendet werden sollen, deren Gesundheit, Kraft und Rennfähigkeit im Training und auf der Rennbahn erprobt worden, die dann aber auch «och stärkere und siegfähigere Abkömmlinge erzeugen. Von den jungen Stnten werden daher nur diejenigen im Kisberer Gestüt behalten, die nicht nur den besten Körperbau haben, sondern auch im Training und Rennen erprobt worden sind. Aus demselben Grunde wird jedes Jahr eine große Zahl unfruchtbarer Stuten, wie auch Hengste zur Erprobung in die Reitschulen und zu den Jagdgesellschaften geschickt. Diesem in allen Staatsgestüten gebräuchlichen Verfahren nud der kräftigenden Trainirnng verdankt das ungarische Pferd zum großen Theile die Zähigkeit und Ausdauer, die es in der Verwendung so sehr auszeichnen und auch einen Hauptgrund seines Ansehens im Auslande bilden. Außerhalb des Hauptparkes, in den einzelnen Meiereien werden im Wiuter in geräumigen, hohen Ställen, im Sommer ans saftigen Weiden die Halbblutstuteu, je für sich die Mutterpferde und nach Alter und Geschlecht getrennt die Fohlen, eingestellt. Die Fohlen, nebst ihren Müttern stets unter Menschen weilend, werden äußerst zahm. Sie spielen untereinander und auch unter ihnen tritt Kameradschaft oder Abneigung, die Gesetztheit der älteren gegenüber den jüngeren zu Tage; es zeigt sich das Kosen der Stutenfohlen gegenüber den Zänkereien der Hengstfohlen. Bald jedoch werden sie von den auf flinken Reitpferden sitzenden Csikösen (bekleidet mit fliegendem blanen Ärmel- hemde und Gatyen, gelbknöpfiger Weste und Mütze) umkreist und mit knallenden Peitschen hin und her getrieben. Aus dem bewegten Bilde scheidet sich blos der graue Esel mit seiner unverwüstlichen Ruhe aus. Er findet selten einen Kameraden unter den Fohlen, wird aber in jeder Abtheilung gehalten, damit die Fohlen sich an seine Anwesenheit gewöhnen, um sich etwa vor den langohrigen Verwandten nicht zu scheuen, eine Eigen- thümlichkeit, die manchem Pferde innewohnt. Der Gefammthengstenstand in Kisber beläuft sich gegenwärtig auf 800 Stück, während auf den Hengstendepots 409 Stück Kisberer Pfleglinge behufs Verbesserung der Allgemeinzucht in Verwendung stehen. Abgesehen von der Verschiedenheit der Ra^e gewährt auch Bäbolua, wohin man von Kisber über die Ortschaft Tärkauy in einer kleinen Stuude fährt, im Großen und Ganzen das nämliche Bild. Während Kisber die Aufgabe hat, die Pferdezüchter mit englischem Vollblut, besonders aber mit hohem Materiale von englischem Blute zu versorgen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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