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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 510 -
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510 der Primas aber der der Erzbischöse; die Bischöfe appelliren — mit Ausnahme des Erzbischofes von Kalocsa — an den Primas; vom Primas, als geborenem Legaten des heiligen Stuhles, gehen die Appellationen und sonstigen Acten direct nach Rom; der Primas hat das Recht, über alle römisch-katholischen Kirchen, Orden, Klöster und jederlei privilegirte kirchliche Personen und Anstalten, die Erzabtei Martinsberg ausgenommen, Untersuchungen einzuleiten; schließlich hat er das Recht, unter seinem Vorsitz eine nationale Synode einzuberufen, auf der sämmtliche Erzbischöse und Bischöfe des Landes zu erscheinen haben; der Primas ist auch der einzige unter allen ungarischen Kirchenfürsten, der sich das apostolische Kreuz kaun vortragen lassen. Als Ludwig der Große seine Armee uach Italien führte, betraute er mit der Regierung seines Landes den Erzbischof Csanäd Telegdi, der fast zwei Jahre hindurch in Abwesenheit des Königs und des Palatins Verweser Ungarns war. Eine ähnliche geschichtliche Rolle fiel dem Erzbischof Thomas III. zu, der während der polnischen Reise Ludwig des Großen Gouverneur von Ungarn war. König Sigismnnd betraute wiederholt den Primas Georg Kauizsay mit der Regierung des Landes. Schon im XIII. Jahrhundert gab es einen Cardinal-Erzbischof. Der erste ungarische Cardinal war Stefan Bäncza. Im XVIII. Jahrhundert erhielt der Primas den Titel eines Fürsten des heiligen römischen Reiches. Sechsnndsiebzig Erzbischöse hat Gran gehabt, darunter außer adeligen uud hoch- adeligen auch herzogliche, erzherzogliche und fürstliche. Viele aber erhoben sich aus der Stille des Klosters oder aus dem Schoße des Volkes zu dieser höchsten kirchlichen Würde. Nach dem Tode Simors beschäftigte sich die öffentliche Meinung bis zur Ernennung Claudius Vaßary's mit der Verlegung des Graner Erzbifchofssitzes nach Budapest. Die Frage wurde durch folgenden Satz des königlichen Ernennungsdecrets entschieden: „Wir wünschen und erwarten jedoch, daß Unser aufrichtig geliebter Getreuer, Claudius Franz Vaßary, so oft Wir, beziehungsweise Unsere Nachfolger längere Zeit in Unserer ungarischen Hauptstadt verweilen, sowie auch während der öffentlichen Verhandlungen des ungarischen Reichstages, wenigstens während des größeren Theiles der winterlichen Periode derselben, ständig in der Hauptstadt Budapest residire." Da bald darauf Budapest einen erz- bischöflichen Vicar und Bischof erhielt, so wurde die Angelegenheit des Residenzortes von der Tagesordnung abgesetzt. Der Primas Claudius Vaßary begaun seine Thätigkeit damit, daß er auf das Recht des Grauer Brückenzolles, welches jährlich etwa 10.000 Gulden abwarf, zu Guusten der neuen staatlichen Eisenbrücke verzichtete. Die neue eiserne Brücke, welche den Namen der Erzherzogin Maria Valerie führt, ruht auf fünf Pfeilern und ist 507 Meter lang, ihr Bau dauerte ein Jahr und die Eröffnung fand im Jahre 1895 statt. Diese stehende Brücke
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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