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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 532 -
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532 die Deutschen an Feiertagen pelzbesetzte Sammtmützen. Längs der Donau sieht man häufig Hüte mit breiteren Krämpen und bis unter das Kuie reichende, mit Flachknöpfen geschmückte Pautalous. In neuerer Zeit gehen nachgerade auch in der Volkstracht große Veränderungen vor sich; die unterscheidenden Zeichen der verschiedenen Trachten verwischen sich immer mehr; die Buuda, die früher im Sommer und Winter — und zwar im Sommer mit der Pelzseite nach außen — getragen wurde, hört nach und nach auf, das Sinnbild der anständigen Wohlhabenheit zu sein und wird nur noch gegen die Winterkälte umgenommen. Überhaupt sind die Leute sehr geneigt, mit der Volkstracht zu brechen und sich zur allgemeinen bürgerlichen Kleidnng zu bekehren. Vermögende Leute wollen jetzt nicht mehr mit glänzenden Stiefeln, verschnürten Dolmanys und Silberkuöpfeu an den Westen prunken, vielmehr beginnt der westeuropäische Schnitt in der männlichen Kleidung auch auf dem flachen Lande vorznherrfchen. Wie die Tracht, ist auch die Nahrung der Leute im Weißenburger Comitat gediegen, dabei ihre Lebensweise vernünftig und systematisch. Die Wohnung ist rein und nett, der Hausrath einfach, aber zweckmäßig. Ein rein gehaltenes, mit vielen Federkissen, sauberen Überzügen und einer blanken Decke versehenes Bett, ein harthölzerner Schubladentisch mit ebensolchen Sesseln, längs der Wand eine Bank mit Lehne, darüber ein langgestrecktes Schüsselbrett, ein Schnbladenschrank oder „Almarium" (Hängekasten) und eine „Tulpen- truhe", dazu die Uhr und etliche Bilder, ein Spiegel, Vorhänge, auf dem Schubladeu- schrank eine Decke und ein paar Ziergläser, dann noch ein Rosmarin- oder Muskatstock, das ist selbst in der schlichtesten Stube vorhanden, sowie selbst die einfachste Haushaltung gut mit Tellern, Eßzeug, Kochgeräth und Küchengeschirr ausgerüstet ist. Vom Markte zu leben ist schier ungebräuchlich; Haushalt und Lebensweise tragen durchaus den Charakter des Eigenbaues. Von den wichtigsten Lebensmitteln wird der Vorrath für das ganze Jahr angeschafft. Jedermann besitzt sein gemästetes Schwein oder mehrere, deren Schmalz, Fleisch, Speck das Jahr hindurch vorhält. Die Weibsleute sind fleißig und ordnungsliebend. Bei den landwirthfchaftlich Beschäftigten, ja selbst den Kleingewerbeleuten bearbeiten die weiblichen Hausgenossen den Garten, die Hackfrüchte, zum Theil sogar den Weingarten. Ihnen liegt es ob, das System im Haushalt aufrecht zu erhalten. Selbst der ärmste Mensch ißt jeden Tag, und sogar zweimal, warme, gekochte Speisen, die wohl einfach, aber rein uud schmackhaft zubereitet fiud. Fleisch wird, weun auch nicht jeden Tag, doch ein- oder zweimal die Woche das ganze Jahr hindurch gegessen, und in der großen Arbeitszeit, die Ernte hindurch, nährt man sich reichlicher mit Fleisch und Speck. Im Allgemeinen darf man sagen, daß die Ernährungsweise besser und planmäßiger ist als in den meisten Comitaten des Landes.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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