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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 538 -
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538 Die Schäfer bilden eine ganz besondere Classe des Dienstpersonals und haben auch in ihrer Kleidung manches Unterscheidende. Während die übrigen sich dunkelblau kleiden, tragen sie meistens braune Dolmänys und Westen, dazu Hüte mit breiterer Krämpe und spitzem Deckel. Selbst im Sommer sieht man sie nie ohne den umgehängten weißen Szür, dessen linker Ärmel zugebunden ist. Vorne hängt ihnen am Halse ein Schnappsack aus haarigem Lammfell, darin haben sie ihre Lebensrnittel. Im Sommer weilen sie den ganzen Tag auf der Weide, im Winter, mit der Fütterung und um die werfenden Thiere beschäftigt, den ganzen Tag in den Schafställen und Hürden, ohne jede Abwechslung an Fest- und Wochentagen gleichmäßig in Anspruch genommen, so daß sie selbst an den höchsten Feier- tagen nicht zur Kirche gehen können. Nur um Michaeli habeu sie alljährlich drei Tage Urlaub, während welcher Zeit ihre Arbeit in der Schäferei durch andere landwirthfchaftliche Dienstleute besorgt wird. Da strömen sie aus dem ganzen Comitat in Stuhlweißenburg zusammen, lassen sich dort eine besondere Messe lesen und verjubeln ihre drei Tage; wenn sie ihren Dienst wechseln, verdingen sie sich jetzt anderweitig, wenn sie aber auf dem alten Platze bleiben, treten sie dort pünktlich am Abend des dritten Tages wieder an, um sich mit erfrischter Kraft ihrem Berufe hinzugeben. Der überseeische Wettbewerb und besonders die Vervollkommnung der Maschinen, die auch aus weniger feiner Wolle vollkommenere und gefälligere Gewebe herzustellen vermögen, waren von empfindlicher Rückwirkung auf den Preis der Wolle nnd zumal der feinen Sorten, und dies brachte auch die Schafzucht in große Bedrängniß. Sie wurde immer mehr eingeschränkt, so daß von den großen Schafzüchtereien nur noch Überreste bestehen, und wenn man sie nicht völlig eingehen läßt, so ist dies nicht ihrer Einträglichkeit, sondern hauptsächlich dem zuzuschreiben, daß das in die kostspieligen Einrichtungen und die Thiere iuvestirte Capital nicht zu Geld gemacht werden kann, andrerseits aber der nur zu diesem Zwecke geeignete kurznarbige Weidegrund blos durch Schafe verwerthbar ist. Allein die Schafzucht verliert fortwährend an Boden. Nach den im Jahre 1881 gemachten Erhebungen belief sich damals die Zahl der Schafe im Comitate noch auf mehr als 457.000 Stück und bedeutete einen Werth von über 4 Millionen Gulden, was nahe an 29 Procent des auf 14'/- Millionen geschätzten Viehbestandes ausmachte und, wenn man von den Zugthieren und den zum Haushalte gehörigen Schweinen absieht, den größten Theil der laudwirthschaftlichen Nutzthiere darstellte. Seither hat sich die Lage wesentlich geändert; vou der Schafzucht geht man zur Hornviehzucht über und wendet der auch sonst blühenden Pferdezucht besondere Aufmerksamkeit zu. Die Pferdezucht hat auf einzelnen Herrschaften eine sehr hohe Stufe erreicht und zeichnet sich nicht blos durch edles, werthvolles Zuchtmaterial, sondern auch durch die gute Dressur der Pferde aus. Im Kreise der kleinen Landwirthe hebt sich diese Zucht erst seit kurzem,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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