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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 206 -
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206 von dem Könige mehrmals aufgefordert worden waren, die Reichstage zn beschicken, hielten sie sich mit Ausnahme Krakaus davon fern. Patrieierfamilien fanden daher trotz ihrer Bildung und ihres Reichthums innerhalb des Bürgerthums kein Feld, um ihren politischen Ehrgeiz zu befriedigen, und zogen es vor, Landgüter zu erwerben, in die Reihe des Adels zu treten und nach adeligen Würden und Ämtern zu streben. Dadurch wurden die Städte ihrer besten Vertheidiger beraubt und geschwächt. Auch erweckte ihr Reichthum den Neid des Adels, welcher sich durch ihre verschiedenen Handels- und Gewerbeprivilegien für ausgebeutet hielt. Die Beseitigung dieser Privilegien war daher seit jeher ein Postulat des Landtages, welchem es denn auch zur Zeit Sigismund Augusts gelang, dasselbe durch- zuführen und sogar über das Ziel zu schießen. Während der Adel bei der Veräußerung der Naturproducte für sich vollkommene Freiheit von allen Abgaben und Zöllen in Anspruch nahm, hinderte er das Bürgerthum an der freien Bestimmung der Preise der Gewerbe- producte, indem er 1564 bestimmte, daß diese Produete nur nach einer von den Wojwoden jährlich festzustellenden Taxe verkauft werden sollten. Hingegen wnrde aus- ländischen Kaufleuten vollkommene Freiheit der Zufuhr und des Handels zuerkannt, infolge dessen Fremde das Land mit ihren Waren zu überschwemmen begannen. Nicht genug aber, daß den heimischen Bürgern dadurch die Concurreuz mit der fremdländischen Ware beinahe unmöglich gemacht worden war, erging noch an dieselben ein Verbot, nach dem Auslande zu fahren und sich mit dem Verkaufe fremdländischer Waren abzugeben. Der Adel ahnte nicht, daß er durch diese einseitige Agrarpolitik die Städte zu Grunde richten, den mächtigsten Consnmenten seiner Naturproducte verliere» und das ganze Land wirth- schaftlich schwächen werde. Die politischen Stürme, welchen der Tod Sig ismund Augusts im Jahre 1572 einen weiten Schauplatz eröffnete, nahmen den Adel vollauf in Anspruch. Da alle uuter dem letzten Jagieltonen-König unternommenen Versuche einer Reform der Königswahl fehlgeschlagen waren, mußte jetzt, bei dem Mangel einer heimischen Dynastie nicht nur eine wirkliche Wahl vorgenommen, sondern anch die Form derselben endgiltig festgestellt werden. Ein besonderer Reichstag, der sogenannte Convocations-Reichstag, wnrde zu diesem Zwecke einberufen. Nach heftigen Debatten gelang es dem Erzbischos von Gnesen als dem Primas des Reiches, die Stellung eines interrex während des Interregnums zu behaupten; die äußere Ordunng sollte dnrch besondere Landgerichte, sogenannte sHliy kapturovve, welche nach Art der deutschen Landfriedensgerichte gebildet waren, aufrecht erhalten werden; an der Wahl des Königs sollte aber nicht der Reichstag allein, anch nicht ein verstärkter Reichstag, wie vielfach geplant wnrde, sondern der gesammte Adel, ans einem Wahlfelde, nnter freiem Himmel theilnehmen. Es zeigte sich aber nur zu bald, daß in einer so zahlreichen Versammlung, die an 100.000 Köpfe zählte, politisch denkende und
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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