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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 272 -
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272 lustig unterhalten. Der Verdienst der Flößer ist indessen nicht gleich. Anders wird der gemeine Bootsknecht (Orz,-I) entlohnt, anders der Lootse (l ietmnn), jener erfahrene Bootsman, welcher, selbst auf einem Kahn fahrend, in einer bedeutenden Entfernung eine ganze Reihe von Tratwen oder Galeeren führt und ihnen den gefahrlosen Weg zeigt. Von seiner Reise bringt der Flößer außer den Rnbeln gewöhnlich Stiefel von weithinberühniter Vortrefflichkeit aus dem Königreich Polen und einer Verwandten oder seiner Liebsten Bernsteingeschmeide aus Dauzig. Auch zu erzählen gibt es genng. Die Landwirthe oder Hauswirthe beschäftigen sich mit dem Bebanen der Felder und der Sorge um das Inventar. Zu diesem gehören: Hornvieh, Pferde, Schafe nud Federvieh. Das Hornvieh, ein durchaus einheimischer Typus, ist in der Ebene Gegenstand ganz besonderer Sorgfalt, dann auch das Borstenvieh, als eine wichtige Unterlage der Wirthschaft und des Unterhaltes; aber eine ganz besondere Vorliebe hegt jeder Pole für das Pferd, dessen einheimische Raee der Landmann durch Pflege zu vervollkommnen trachtet. Mit Pferden bearbeitet er sein Feld, springt er auch bei anderen in Arbeit ein, auch fährt er gern auf den Jahrmarkt oder an Feiertagen in die ferner gelegene Kirche, wenn keine im Ort ist. In solchem Falle gibt es auch keine Hochzeit und keine Kindstaufe ohne Pferde und da liebt es der polnische Bauer, sei es mit dem Wagen, sei's auf dem Schlitten fahrend, zu zeigen, was für schnelle Pferde er hat und wie er zu fahren versteht. Die Goralen im Tatragebirge beschästigen sich mit besonderer Vorliebe mit der Schafzucht. Ihre Schafe weiden mit dem Hornvieh während der kurzen Sommerszeit auf den hochgelegenen Weideplätzen des Berglandes, welche sie Halen nennen. Im Herbste aber, namentlich vom halben August angefangen, weiden sie auf den tiefer gelegenen abgemähten Wiesen. Die Schäferei auf den Halen hat ihren ganz eigenartigen Charakter und Reiz. Sogar Dörfer, welche drei und vier Meilen entfernt sind, haben ihre Halas im Tatragebirge. Wenn nun die Zeit des Austriebs des Viehs, das heißt der Kühe und Schafe, herannaht, wühlen sie einen Gazda (Hauswirth), welcher das allgemeine Vertrauen besitzt und ihm übergeben sie die Herde. Ein solcher Oberschäfer wird Bäe genannt, was wohl aus dem ungarischen Worte Bäcs , Schafhirte, stammt. Der Bäe trifft mit den Besitzern der Polanen, das heißt der in den Bergeshöhen gelegenen offenen Weideplätze, sein Übereinkommen und wählt sich Gehilsen, sogenannte J n h ä s ans. (Jnhäs ist ungarisch und heißt Schäferknecht.) An dem bestimmten Tage, wie ein Augenzeuge erzählt, treiben alle Gazdas ihre Herden auf einen Platz, zählen mit dem Bäe die Stücke und übergeben sie seiner Verantwortung. Der Bäe besprengt die ganze Herde (kierckel, vom deutschen Herde) mit Weihwasser, macht mit seiner (axtsörmiger Stock) ein Kreuz auf den Weg und es beginnt der Aufstieg unter dem Brüllen des Hornviehs, dem Blöken der Schafe,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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