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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 293 -
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293 Gniazdo nannte er die Stadt Gniezno (Gnesen) und den weißen Adler wählte er zum Wappenthier des Reiches. Zu jener Lechitenzeit herrschte in der Gegend des heutigen Krakau der Fürst Krak (lateinisch Krakus). Unter seiner Regierung tauchte in einer Höhle des Berges Wawel ein Drache auf und richtete furchtbares Unheil an, indem er Menschen und Thiere verschlang. König Krakus bezwang das Ungeheuer, dessen Höhle man noch heute den Besuchern des Wawel zeigt. Sodann baute sich Krakus auf dem Wawel ein Schloß und um das Schloß eine Stadt, die er, nach seinem Namen, Krakow (Krakau) nannte. Er zeichnete sich auch durch kühne Kriegsthaten aus, so daß er nach seinem Tode vom ganzen Volk mit großen Ehren zu Grabe getragen und ihm auf seinem Grabe bei Krakau im Vororte Krzemionki ein hoher Hügel aufgerichtet wurde, welcher noch heute unter dem Namen Grabhügel des Krakus besteht. Da Krakus keinen männlichen Leibeserben hinterließ, so ergriff nach seinem Tode Wanda die Zügel der Regierung, welche Fürstin durch Schönheit und Geist weithin berühmt war. Daher strebte ein deutscher Fürst, namens Rüdiger nach ihrer Hand; allein Wanda wollte sie ihm nicht reichen, da sie fürchtete, es könnte ihr Volk dadurch unter fremde Herrschaft gelangen. Der beleidigte Fürst beschloß durch Gewalt zu erreichen, was er anstrebte und erklärte ihr den Krieg. Wanda erschrak keineswegs, sondern erschien an der Spitze ihrer Kriegsscharen auf dem Schlachtfelde; der Kampf war sehr erbittert, endlich aber wurden die deutschen Kriegsrotten besiegt und stoben auseinander. Rüdiger aber stürzte sich in sein eigenes Schwert und endete so sein Leben. Aber auch Wanda wollte durch ihre Person das Vaterland keiner Gefahr mehr aussetzen. Nachdem sie den Göttern geopfert hatte, sprang sie in die Weichsel und fand ihren Tod in den Finthen. Das ganze Volk beweinte ihren Verlust und ehrte sie, wie ihren Vater, durch die Errichtung eines hohen Grabhügels. Dieser Hügel besteht noch heute unter ihrem Namen in der Nähe Krakaus, dort, wo man der Sage nach ihren Leib ans dem Flusse gezogen und wo später das Dorf Mogi ta (Grabhügel) entstand, das eben von Wandas Grabhügel seinen Namen trägt. Nach Wandas Tode kam die Herrschaft des Gebietes von Krakau an zwölf Wojewoden, bis dieselbe endlich an die Polanen überging. Nach König Lech hatten die Polanen mehrere Herrscher gehabt, unter anderen Popiel II., welcher höchst grausam war. Dieser lud einmal seine Vettern zu einem Gastmahle ein und vergiftete sie auf Zureden seiner Gemahlin. Ihre Leiber aber ließ er in den Goplosee werfen, da sein Königsschloß sich auf einer Insel dieses Sees befand. Aus den Leibern der Vettern krochen jedoch eine solche Menge von Mäusen, daß sie sein Schloß überflntheten und den mordgierigen König auffraßen. Von dem Schlosse Popiels blieb nur der Thurm zurück, welcher noch heute der Mäusethurm genannt wird.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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