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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 378 -
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378 Halbgebildete nicht selten, besonders in Städten, in den Fehler verfallen, mit der fremden Sprache zu prahlen und sich dadnrch nnter der Volksmasse hervorthun wollen. Der Rnthene zeichnet sich durch tiefe Religiosität aus, wovon die zahlreichen Kirchen nnd Kapellen, Bildstöcke und Kreuze, die an allen Straßen und Wegen zu sehen sind, Zeugniß geben. Er bringt dem Seelsorger großes Vertrauen entgegen, welcher daher ans ihn den größten Einfluß zu üben vermag. Gastfreundschaft nnd Barmherzigkeit bilden von altersher ein charakteristisches Merkmal des Rnthenen. Der Fremde findet in jeder rnthenischen Bauernhütte gastliche Aufnahme und einen gedeckten Tisch mit Brod und Salz als Symbolen der slavischen Gastfreundschaft. ,?list' vv clim, Lok 2 nvin!" (Der Gast ins Haus, Gott mit ihm!) lautet das rutheuische Sprichwort. Ebenso findet auch der Arme oder vom Unglück Getroffene jederzeit hilfreiche Unterstützung. Bei aller Friedensliebe ist der Ruthene ein tapferer Soldat. Die rnthenischen Regimenter haben anf vielen Schlachtfeldern glänzende Beweise der Trene und Anhänglichkeit an das angestammte Kaiserhaus und an das Reich, sowie ihrer Entschlossenheit und Aufopferungsfähigkeit geliefert. Den Tod fürs Vaterland stellt der Rnthene im Volksliede einer Hochzeit gleich, nnd der anf dem Schlachtfelde sterbende Soldat gibt seiner Mutter Kunde durch den dahinfliegenden grauen Adler: „Sag der Mutter: Dein »ohn im Dienste stand . . . . Hat durch den Dienst gewonnen eine Äönigsmaid, Eine Todtengrube ans kahler Haid." Unter dem Einflüsse verschiedener Verhältnisse, der dnrch die Natur bedingten Lebensart uud Ernährungsweise, sowie der Berührung und Mischung mit benachbarten und fremden Volkselemeuten, hat der rnthenifche Volksstamm in Galizien ein mannigfaltiges Gepräge erhalten, so daß es daselbst mehrere ethnographische Gruppen gibt, welche sich von einander durch Typus, Tracht, Bräuche nnd Mundart unterscheiden und nicht selten diesen Umständen ihre besondere Benennung verdanken. Ebenso hat die Bodenplastik des rnthenischen Gebietes von Galizien, nämlich das Hochplateau von Podolien, die nördliche San-Bug-Styr-Niederuug, die Dniesterebene und das Karpathengebirge, nicht unwesentlich zur ethnographischen Mannigfaltigkeit der Einwohner beigetragen. Weniger Mannigfaltigkeit bietet die Bevölkerung des Hoch- und Niederlandes dar, wo dieselbe von einander wenig geschieden in regem Verkehr stand und mit Rücksicht auf Sprache, Sitten und Lebensart häufiger in Berührung kam. Dagegen wurden hier Verhält- nisse und Charakter der Bevölkerung mächtiger von den geschichtlichen Ereignissen beeinflußt, als in unzugänglichen Gebirgsgegenden, wo die Bevölkerung in ihrer Entwicklnng fast ausschließlich nnter dem Einflüsse der Natur stand.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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