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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Band 20
Seite - 322 -
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322 12./24. und 18./30. August, das ist am Maria-Entschlafungstage. Sie beschließen aber dieselben niemals in Fröhlichkeit mit Tanz, Musik und Gesang. Sie halten noch heute an einer uralten, heidnischen genannten Sitte fest, indem sie an gewissen Feiertagen im Jahre Ochsen und Schafe schlachten und das Fleisch unter Arme vertheilen. Vor der Abschlachtnng wird diesen Thieren vom Priester etwas geweihtes Salz verabreicht. Diese Opfersitte ist eigentlich die Fortsetzung der von den Armeniern vor ihrer Bekehrung zum Christenthume der heidnischen Göttin Anahid dargebrachten Opfer; die an sich humane Sitte wurde auch nach der Bekehrung der Armenier von der Priesterschaft geduldet, zumal der letzteren das Fett und die Häute der geschlachteten Thiere zufielen. Die Anschaffungs- kosten der Opferthiere werden durch Sammlungen oder von reichen Privaten bestritten. Die Feiertage der Armenier fallen mit denen der Griechifch-Orientalen zusammen, nur daß sie die Geburt und die Erscheinung Christi an einem und demselben Tage, am 6./18. Januar zusammenfeiern. Das Maria Lichtmeß-, Verkündigungs- und Opferungsfest, dann das Anna-Verkündigungsfest begehen sie um 12 Tage vor den Griechisch-Orieutalen und feiern am siebenten Sonntage nach Ostern noch ein zweites Palmfest. Ihre Fasten sind ähnlich denen der Orthodoxen, die Wochenfasten aber endigen gewöhnlich Freitag abends. Das armenische Volk glaubt, daß sich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag vor Christi Himmelfahrt der Himmel öffne. Wer diese Nacht wachend zubriuge und sündenlos sei, dem zeige sich Gott und erfülle alle seine Wünsche. Am Vorabende des Christi Himmel- fahrtsfestes veranstalten Frauen und Mädchen, um zu erfahren, wessen Wünsche in Erfüllung gehen werden, eine Art Pfänderspiel: die Mädchen legen Ringe, Ohrgehänge ?c. in einen tiefen Teller, den man mit Wasser füllt, in welches man sodann Blumen streut. Das Ganze wird sodann mit einem reinen Tuche zugedeckt und bleibt so bis zum zweiten Tage stehen. Am Himmelfahrtsnachmittage nun versammeln sich Frauen und Mädchen. Nachdem ein Wunsch ausgesprochen worden, greift ein Mädchen mit verbundenen Augen in den Teller und zieht ein Pfand heraus, worauf dasselbe vorgewiesen wird, und die Eigenthümern: sich melden muß. Da umringt man dieselbe und überhäuft sie mit Glückwünschen, fest glaubend, daß der ausgesprochene Wunsch an ihr in Erfüllung gehen werde. Die Armenier benennen sich nach ihrem Stammvater Haik. Sie sind gewöhnlich von mittlerer Höhe und robustem Körperbau. Der Kopf ist mittelgroß, schwarz behaart; dem mit schwarzem Barte umrahmten oder glattrasirten Gesichte gewähren große, dunkle Augen und eine Adlernase sein Gepräge. Ihre Gesichtsfarbe ist mehr blaß als dunkel, doch gibt es, freilich selten, auch blonde Armenier. Erwähneuswerth ist es, daß man unter denselben niemals Blatternarbige vorfindet. Ihre Lebensweise ist einfach und keusch und ihre Nüchternheit sprichwörtlich. Sie führen ein patriarchalisches Familienleben; die Reichen verkehren intim auch mit ihren
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bukowina, Band 20
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bukowina
Band
20
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1899
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.14 x 21.77 cm
Seiten
546
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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