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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Band 20
Seite - 334 -
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334 Bei einer Zigeunerwirtschaft darf weder der Schmiedeofen sammt Blasebalg, noch das primitive Schmiedewerkzeug fehlen, zumal das Schmieden eine Lieblingsbeschäftigung des Zigeuners ist. Freilich ist er darin kein großer Meister, doch versteht er ziemlich gut, Kessel zu flicken, Hacken, Messer und Sichel zu richten, zu schärfen imd zu stählen, die Zugochsen zu beschlagen, dann Töpfeunterftänder, Feuerzangen, Nägel, Nadeln, Hanf- kämme zc. zu verfertigen; ja einige betreiben auch die Glockengießerei. Der Zigeuner bearbeitet aber gerne auch das Holz, woraus er Schaufeln, Spindeln, Schöpflöffel, Teller, Mulden, Viertel, Siebe mit ledernem Untergrunde :c. anfertigt. Alle diese seine Kunsterzeugnisse pflegt er auf den Nachbarmärkten oder von Haus zu Haus selbst zum Kaufen anzubieten, oder er betraut damit seine vielgeplagte Ehehälfte. Auch weiß er Bürsten zum Weiseln zu binden, die Häuser mit Lehm anzuwerfen, er versteht sich aus die Landwirtschaft uud, wo sich die Möglichkeit dazu bietet, auf den Pferdediebstahl. Endlich ist er Viehzüchter; bei seinem Hause darf weder das magere Schweinchen und der magerere Hund, noch die Pferdemähre fehlen. Nach dem Nichtsthun ist die Lieblingsbeschäftigung des Zigeuners die Musik. Darin bringt er es, oft ohne eine Note zu kennen, sogar zur Virtuosität. Mit großer Fertigkeit handhabt er alle nur erdenklichen Instrumente. In Ermanglung eines solchen weiß er sich dadurch einen Ohrenschmaus zu bereiten, daß er, auf dem Rücken im Grase hingestreckt, einem an den Lippen gehaltenen Blatte Töne, ja Melodien entlockt. In jeder Lebenslage ist er sogleich bereit, sich und Anderen vorzuspielen, seine Weisen aber sind seiner augen- blicklichen Gemüthsverfassung angepaßt. Ist er tranrig, gekränkt oder hungrig, was gewöhnlich der Fall ist, so läßt er eine ergreifende höchst traurige Weise ertönen. Ist er aber fröhlich und gut gelaunt, was immer nach einem gelungenen Diebstahl oder einer reichlichen Mahlzeit der Fall ist, so läßt er lebensfrohe, hüpfende Tanzaeeorde hören. Die alten Zigeunerinnen betreiben mit viel Geschick die oft einträgliche Kunst des Wahrsagens aus Karten, Maiskörnern, Bohnen, den Handflüchefalten :e. Auch verstehen sie den abergläubischen Bauernweibern den Schrecken und die Krankheiten abzusprechen. Den liebenden, daher leichtgläubigen Banernmädchen zaubern sie ihre Zukünftigen herbei und bereiten für dieselben und auch für manches liebeskranke Stadtfräulein für Geld oder Eßwaaren unschuldige Liebestränklein. Die schnell abgeleierte, daher meist unverständliche Wahrsageformel lautet: „Hast Glück uud wirst viele kleine mit Füßchen ringsherum versehene Thierchen haben. Das Glück folgt deiner Ferse, wie der Hase der des Hundes!" Aber auch das Betteln übt das junge wie das alte Zigeunerweib mit unübertrefflicher Zudringlichkeit und Zungengewandtheit aus. Durch ihre Geschicklichkeit im Bettelu, Stehlen und Verkaufen der diversen Schmiede- uud Holzerzeugnisse ihres Mannes, sowie durch ihre Gewandtheit in der Wahrsagekunst, im Zaubern, Kartenansschlagen, Absprechen,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bukowina, Band 20
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bukowina
Band
20
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1899
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.14 x 21.77 cm
Seiten
546
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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