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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Band 20
Seite - 356 -
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356 verschiedensten Trachten und Typen. — Ist nun derart der Handel mit den hausindnstriellen Erzeugnissen und Naturprodukten ein sehr reger und der zu Markte gebrachten Waaren eine große Menge, so muß man doch im Allgemeinen sagen, daß dieselben eigentlich, was speciell die hausindustriellen Gegenstände anbelangt, durchaus nicht für den Verkauf erzeugt,sondern im Gegentheil fast ausschließlich zu eigenem Gebrauche verwendet werden, oder, falls nicht verwendet, in der Stube auf hölzernen Gestellen aufgestapelt zur Schau dienen und von der Wohlhabenheit des Besitzers Zeugniß ablegen sollen. Übrigens bilden diese Vorräthe gleichzeitig auch einen wesentlichen Theil der Mitgift für die zu verheiratenden Töchter, wobei wie überall so auch hier, das Mehr oder Minder zumeist eine ziemlich bedeutende Rolle spielt. Der Neu- oder Umbau eines Hauses, Vergrößerung der Stallung, der Ankauf eines Viehstückes, wohl auch eine schlechte Ernte, der Mangel an Saatkorn oder der näher rückende Steuertermin sind es allenfalls, welche zu einer theilweisen Veräußerung dieser im Hause befindlichen Schätze zwingen können. Nur wenige und zwar zumeist die Ärmsten, denen das kleine Fleckchen Erde, das sie ihr Eigen nennen, nicht den nöthigen Lebens- unterhalt bieten kann, arbeiten direct für den Verkauf oder wohl auch derart, daß ihnen von der wohlhabenden Nachbarin Flachs, Wolle oder Hanf zum Weben geliefert wird, der sie dann das fertige Prodnet gegen ein gewisses Entgelt für die Arbeit zu übergeben haben. Wie wenig übrigens bei Herstellung dieser Objecte und speciell der Teppiche an einen Verkauf derselben gedacht wird, mag aus der Thatsache erhellen, daß die Bäuerin selbst in den seltensten Fällen im Stande ist, den Werth derselben richtig zu schätzen und für ihre dabei angewendete Mühe und Arbeit ihr absolut jeder Maßstab fehlt; im Falle der Noth gibt sie dieselben um einen Spottpreis her, der kaum das Rohmaterial deckt, während zu anderer Zeit wieder ihr kein Preis hoch genug dünkt. Der weitaus verbreitetste Zweig der hausindustriellen Beschäftigung ist die Weberei; sie wird, allerdings in mehr oder minder ausgedehntem Maße, von allen Volksstämmen des Landes betrieben, und welches Dorf auch immer man besuchen mag, fast in jeder Hütte findet sich der Webstuhl (rumänisch stativä, ruthenisch krosna). Wenn der Kukurutz eingeheimst, die Kürbisse eingekellert und Haus und Hof für die lange Winterszeit versorgt sind, dann wird der Webstuhl, der den Sommer über zumeist in einer Kammer zur Linken des Hansflures oder wohl auch in einem hölzernen Schuppen sich befindet, in die warme Stube hineingeschafft und nun unverdrossen und je nach Zeit und Muße von Mutter oder Tochter emsig Faden an Faden gereiht, bis die wärmende Frühlingssonne wieder zu anderer Thätigkeit, zur neuerlichen Bestellung von Garten und Feld ins Freie ruft. Dann wandert wohl der Webstuhl wieder in die Kammer, wird jedoch anch im Sommer, wenn die Aussaat bestellt ist oder bei der Feldbearbeitung eine Stunde erübrigt werden kann,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bukowina, Band 20
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bukowina
Band
20
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1899
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.14 x 21.77 cm
Seiten
546
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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