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Mit dem Jahre 1848 beginnt ein fortschreitender Aufschwung auf allen Gebieten
der rumänischen Literatur, so daß dieses Jahr einen Wendepunkt in der national-
literarischen Entwicklung der Rumänen in der Bukowina bildet. In der Periode vor dem
Jahre 1848 können wir nur sehr wenige geistige Erzeugnisse in rumänischer Sprache
verzeichnen. Von der Staatsverwaltung veranlaßt, waren dieselben theils didaktischer,
theils gesetzgeberischer Natur. Zur Anbahnung einer geordneten und allgemeinen Schul-
bildung ließ die Regierung neben der bestandenen, im Jahre 1757 zu Jassy in zweiter
Auflage erschienenen Fibel: „Luevar, sau inoepere 6e invetnturä celor es vor sä
Znvete carte eu slove slovenest!" noch mehrere Schulbücher in rumänischer Sprache
verfassen oder in dieselbe übersetzen und drucken. Auch wurden zur Verallgemeinerung
der Gesetzkenntniß die Gesetzbücher rumänisch pnblicirt. Als Schriftsteller während dieser
ersten Periode erlangte eine gewisse Bedeutung nur der in Siebenbürgen geborene
Rnmäne Jon Bndai Deleanul, der zu Anfang dieses Jahrhunderts als k. k. Landrath
zu Lemberg und Translator für die Bukowina bedienstet war. Er trachtete der rumänischen
Literatur im Allgemeinen und der in der Bukowina insbesondere eine sichere und
feste Grundlage dadurch zu geben, daß er mehrere sprachwissenschaftliche, geschichtliche
und belletristische Werke in rumänischer, lateinischer und deutscher Sprache schrieb. Uuter
diesen Werken verdienen insbesondere genannt zu werden: eiu rumäuisch-deutsches und ein
deutsch-rumänisches Wörterbuch aus dem Jahre 1805, ein rumänisch-lateinisch-deutsch-
französisches Wörterbuch, eine Grammatik der rumänischen Sprache in rumänischer und
eine solche in lateinischer Sprache aus dem Jahre 1812, dann zwei rumänische Abhand-
lungen über die Einführung der lateinischen Buchstaben iu die rumänische Schrift und
über die Art und Weise, wie mit denselben die rumänische Sprache zu schreiben wäre, und
überdies seiue iu deutscher Sprache „kurzgefaßten Bemerkungen über die Bukowina", weil
sie uicht nur vou dem lebhaften Interesse, das er für die Hebung der Bildnng seiner
Stainmgenossen in der Bukowina hegte, sondern auch vou der Richtung, in die er diese
Bildnng geleitet wissen wollte, ein beredtes Zeugniß abgeben. Allein nicht nur diese Werke,
sondern auch alle seine übrigen geistigen Erzeugnisse, so bedeutend für ihre Zeit sie auch
wareu, konnten unter dem Drucke der damaligen Verhältnisse wohl zumeist druckfertig
gestellt, nicht aber veröffentlicht werden. Die Mannseripte derselben wurden erst im
Jahre 1868 durch den Jaffyer Gelehrte« George Asaki in Lemberg entdeckt, vom
rumänischen Unterrichtsministerium käuflich erworben und in der Bukarester Staats-
bibliothek aufbewahrt. Nur zwei von den Werken des Jon Bndai Deleanul, das
komisch-satirische Heldengedicht „'siFanincka- in zwölf Gesängen, worin viele Auswüchse
im politischen nnd Volksleben der Rumänen scharf gegeißelt werden, und das Theaterstück
^lene^mil saü kVatn Keinen!« (die Zwillinge) wurden in neuester Zeit veröffentlicht.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch