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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Band 20
Seite - 517 -
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517 In Czernowitz mußte der Diplomat vierzehntägigen Aufenthalt nehmen, weil die dnrch Regengüsse aufgeweichten Wege die Weiterreise unmöglich machten. In solcher Verwahrlosung wurde die Bukowina im Herbste 1774 in die öfter-- reichische Verwaltung übernommen. Der mit der Orgauisirung des neu gewonnenen Landes betraute Freiherr Splenyi von Mihäldy erkannte sofort, daß nur eine durchgreifende, alle Verhältnisse umfassende Culturarbeit die asiatischen Zustände beseitigen und die neue Provinz europäischer Civilisation zuführen könne. Als geeignetes Mittel, die Hebnng der darniederliegenden gewerblichen und industriellen Thätigkeit zu beschleunigen, erachtete Splenyi die Colonisation des Landes durch Einwanderung aus den westlichen Cnlturläuderu, namentlich die Herbeiziehung guter Handwerksleute. Die im Jahre 1760 in Philippeny (heute Prelipcze) entstandene Colonie deutscher Ackersleute und Handwerker war leider schon 1768 gänzlich eingegangen. Indessen hatte sich kurz vor der österreichischen Occupatio« ein kleiner Ansatz gewerblicher und industrieller Thätigkeit an der von Gartenberg geleiteten Münzstätte in Sadagöra gebildet, an welcher außer den Münzarbeitern noch verschiedene andere Gewerbsleute, als Wagner, Sattler, Tischler, Schuster, Bäcker, Fleischer, Seifensieder — auch hier wiederum Deutsche, insgesammt etwa 50 — angesiedelt waren. Nach Aufhebung der Münzstätte wollten dieselben auswandern; Splenyi jedoch suchte sie zurückzuhalten, begünstigte die Gartenberg'sche Niederlassung, ertheilte ihr Gewerbefreiheit, Marktgerecht- same — sogar zu einer königlichen Frei- und Handelsstadt sollte sie ausgestaltet werden — und wendete ihr noch andere Vortheile zu, die dahin abzielten, neue Gewerbsleute herbeizuzieheu. Mit der Abberufung Splenyis war jedoch die gute Zeit für Sadagöra vorüber und die einzige Ortschaft des Landes, in der einige bürgerliche Gewerbe vertreten waren, hatte bald diesen Vorrang wieder eingebüßt. Auch der Nachfolger Splenyis, General Enzenberg, wendete der Pflege des Handels und der Einführung gewerblicher Production seine volle Aufmerksamkeit zu. Es war eine Folge der von den beiden ausgezeichneten Männern im Interesse dieser Erwerbszweige getroffenen Maßnahmen, daß sich in den Städten ein neues Leben zn entfalten begann. Insbesondere die alte Handelsstadt Snczawa zeigte bald wieder eine regere Geschäftsthätigkeit. Ende 1779 erwähnt Enzenberg über 100 große und kleine Kaufmannsgewölbe der Armenier. Im Jahre 1804 zählte man im ganzen Lande 195 eigentliche Handelsunternehmungen, außerdem 401 Schänken, 220 Tabaktrafikanten und 2 Überfuhrspächter. Durch Zusicherung mancher Vortheile, speciell vollster Gewerbe- freiheit, sowie dreißigjähriger Steuerfreiheit aller zum Gewerbsbetriebe erbauten Häuser, wurde die Einwanderung neuer Handwerker veranlaßt und nach und nach tauchen in den Städten wieder Schneider, Schuster, Bäcker, Tischler, Schlosser auf. Freilich ging
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bukowina, Band 20
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bukowina
Band
20
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1899
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.14 x 21.77 cm
Seiten
546
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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