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Kronprinz Rudolf - Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
Seite - 118 -
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Seite - 118 - in Kronprinz Rudolf - Politische Briefe an einen Freund 1882-1889

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Was die erwähnten diplomatischen Verhandlungen be- trifft, so erging an den Botschafter Lobanoff die Weisung, sich über die absolut ungerechtfertigte und unmotivierte Ausweisung eines russischen Untertans zu beschweren und darauf zu dringen, daß ähnliche Fälle in Zukunft un- möglich gemacht werden. Lobanoff hob hervor, daß, wenn eine schuldbare Außerachtlassung irgend einer Vorschrift vorliege, dieselbe nur dem österreichischen Generalkonsulat in Petersburg zur Last zu legen sei; nachdem dieses das Vidi für überflüssig erklärte, durfte RjäsanQff es auch für überflüssig halten und sich darauf verlassen, daß er nicht schikaniert werden würde. Lobanoff beklagte sich weiter, daß die österreichisch-polnischen Behörden überhaupt in der Schikanierung russischer Untertanen kein Ziel kennen. Er erinnerte bei dieser Gelegenheit abermals an die Unge- hörigkeit, daß beim Beginn der Untersuchung im Ruthe- nenprozesse Steckbriefe gegen hochangesehene russische Professoren, wie Budilowicz und Polmow erlassen worden waren (damals hatten die russischen Vorstellungen in Wien den Erfolg, daß die Steckbriefe zurückgezogen wur- den). Solche Ungehörigkeiten kämen allzuviele vor, als daß man an die Ungeschicklichkeit der amtierenden Per- sonen glauben könnte; in dieser regelmäßigen Wiederkehr zeige sich unverkennbar das polnische System gegen Ruß- land. Werde dem nicht gesteuert, so werde sich die russi- sche Regierung zu Gegenmaßregeln genötigt sehen, wie zum Beispiel daß den russischen Konsulaten in Wien und Brody die Weisung erteilt werde, österreichischen Polen, die nach Rußland reisen wollen, ebenfalls die Vidi zu ver- weigern. (Notabene gibt es noch andere Retorsionsmittel: 1st auch der Paß in schönster Ordnung, so wird er unter dem Vorwand zurückbehalten, daß man seine Echtheit prüfen, daß man sich über die Person des Reisenden in punkto Nihilismus doch noch nähere Kenntnis verschaffen müsse etc. etc.) Die Unterhandlungen sind gegenwärtig noch im Zuge und wie es heißt, werden sie von russischer Seite so ge- führt, daß an einen baldigen ruhigen Abschluß der Affäre nicht geglaubt werden kann. Es soll eben eine „Affäre" daraus gemacht werden. 118
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Kronprinz Rudolf Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
Titel
Kronprinz Rudolf
Untertitel
Politische Briefe an einen Freund 1882-1889
Autor
Julius Szeps
Verlag
Rikola Verlag
Ort
Wien - München - Leipzig
Datum
1922
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.6 x 19.54 cm
Seiten
246
Schlagwörter
Habsburger, Österreich-Ungarn, Monarchie
Kategorien
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