Seite - (000633) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000633) -
Text der Seite - (000633) -
Am 22. März. 63!
ihn seine fromme, sanfte, friedfertige Gemüthsart vor allen Kindern
ausgezeichnet habe. Schon frühe arbeitete er gerne und fleißig; doch
seine größere Lust war das Gebeth, imd oft verließ der stiUsinnigc
Knabe seine Gespielen, um irgendwo allein zu bethen.
Mit den, Jahren, wuchs in ihm die Gnade, bewährte sich seine
Frömmigkeit, und kräftigte in jeder Tugend dcn Jüngling. Bethen
und Arbeiten war sein Tagwerk, und seine Erholung. Ein alter
Geschichtschreiber erzählt: „Wenn nach vollendeter Acker- oder Feld-
arbeit der späte Abend heimzugehen nöthigte, schlich Nikolaus mei-
stens allein hinter den andern Arbeitern einher, machte sich allmäh:
lig von scincn Gespanen weg, und, indem diese fortgingen, und sei-
ner nicht achteten, oder wenigstens sich nichts merken ließen, begab
er sich in einen abgelegenen Ort zum Gebethe, und nachdem er dem
Schöpfer Dank gesagt hatte, kam er etwas später nach Hause."
Nie sing er etwas Wichtiges an, ohne vorher Gott um seinen Se-
gen anzustehen. Noch nicht zwanzig Jahre alt, fastete er nach dem
Vorbilde des heiligen Nikolaus von Myra, und dcs heiligen Niko-
laus von Tolcntino, zuerst alle Freitage, dann viermal in der Wache.
Die ganze 4Utägige Fasten genoß er nichts Warmes, sondern bloß
ein wenig,, trockenes Brod, und einige dürre Birnen. Alle, welche
jcinc Enthalsamkeit wußten, und gutmeinend hindern, oder wenig-
stens mildern wolltcn, wunderten sich nicht wenig, wie er ungeachtet
seines Abbruches dennoch stark und wohlgewachsen war, und mehr
als jene, die sich schonten, ertragen konnte. Jeden Morgen erweckte
er den festen Entschluß, den ganzen Tag das zu thun, was er nach
Gottes Willen für das beste hielt. Wenn ihn die Seinigen von
seiner gar so strengen Lebensweife liebevoll warnten, antwortete er
sanft: „Eb ist ja dem göttlichen Willen so wohlgefällig." Bei sei-
ner Strenge war er aber nicht finster, sondern zeigte fortwährend
eine liebenswürdige Heiterkeit des Gemüthes, eine stete Freundlichkeit,
und ein heißes Verlangen, Jedermann wohlzuthun; so daß Alle ihn
liebten, Alle gerne um ihn waren.
Nikolaus war drei und zwanzig Jahre alt, als er von seiner
Obrigkeit in den Krieg berufen wurde. Er folgte bereitwillig dem
Rufe, und hielt den langwierigen Krieg aus. Unerschrocken und
tapfer im Kampfe gegen die Feinde, bewies er sich immer sehr scho-
nend gegen die Besiegten, und als einen furchtlosen Beschützer der
Hilflosen, der Wittwen, und der jungfräulichen Unschuld vor des
Siegers Uebermuth. (5r wehrte, so viel möglich, allem Rauben und
Plündern, und durch seine Anstrengung blieben sogar im Feindes-
lande die milden Stiftungen der Kirchen und Armen unangetastet.
Im Jahre 146l) in dem denkwürdigen Ereignisse bei Dießenhofen
diente er, theils als Fähndrich, theils als 3>ottmeister über hundert
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen