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Lernprozesse über die Lebensspanne - Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern
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174 Zur Regelung des alltäglichen Zusammenlebens wird in den Einrichtungen weniger auf gegenseitiges Vertrauen und stabile Beziehungen als auf die Durchsetzung verbindlicher Regeln und Ordnungen gesetzt. Die jungen Men- schen erleben diese Regeln oft als starr, unangemessen und fremdbestimmt und bilden demgegenüber ein Streben nach Eigenverantwortung, Autonomie und Selbstbestimmung aus, was zu Konflikten in den Einrichtungen oder zu Ein- richtungswechseln führt. Der damit verbundene Wunsch nach Unabhängigkeit von den Einrichtungen der Jugendhilfe verstärkt die Beschränkung des Hori- zonts auf mittlere Bildungswege. Peers in Form von Freundschaften, Partner- schaften und Jugendcliquen erscheinen in dieser Situation als konstanter, Sta- bilität und Beziehungssicherheit gewährender Faktor. Zugleich sind Peers die- jenigen, die am ehesten zum Einschlagen weiterführender Bildungswege er- mutigen. Auch in der quantitativen Studie zeigt sich, dass Peers – unabhängig von ihrer sozialen Angepasstheit – die bedeutendste Ressource für den Bil- dungserfolg darstellen. Die Orientierung am Sich-Einrichten im beschränkten sozialen Raum kommt vor allem dann zum Vorschein, wenn die jungen Menschen an gestell- ten Anforderungen scheitern und ein Desengagement im Hinblick auf gesell- schaftliche Leistungserwartungen entwickeln. Diese jungen Menschen verhar- ren dann entweder in einer Situation des Versorgt-Werdens, in der sie keine Handlungsoptionen sehen, mit denen sie sich aus ihrer als misslich wahrge- nommenen Lage befreien können, oder sie entwickeln ein mehr oder weniger selbstgenügsames Sich-Arrangieren mit der Situation, bei der sie sich inner- halb eines beschränkten sozialen Raums bewegen. In der Regel resultiert diese Orientierung aus sich kumulierenden negativen Erfahrungen und belastenden Lebensereignissen, während kaum stabilisierende Ressourcen und Formen der Unterstützung vorhanden sind (für eine detaillierte Darstellung vgl. Groinig et al. 2019). Konsequenzen In unserer Studie wird wie in anderen internationalen Studien (z.B. Stein/Munro 2008; Köngeter/Mangold/Strahl 2016) sichtbar, dass Care Leaver im Hinblick auf ihre biographischen Erfahrungen, ihre Bewältigungsressour- cen und ihre bildungsbezogenen habituellen Orientierungen keine homogene Gruppe darstellen. Unterstützungsangebote müssen dementsprechend die je- weiligen individuellen Bedürfnisse, Lebenssituationen und habituellen Orien- tierungen berücksichtigen. Um jungen Menschen mit Jugendhilfeerfahrung ge- rechte Chancen zu bieten ihre Bildungspotenziale zu entfalten, bedarf es dar-
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Lernprozesse über die Lebensspanne Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern
Veröffentlicht mit Unterstützung der Fakultät für Kulturwissenschaften der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Titel
Lernprozesse über die Lebensspanne
Untertitel
Bildung erforschen, gestalten und nachhaltig fördern
Autoren
Monika Kastner
Jasmin Donlic
Barbara Hanfstingl
Herausgeber
Elisabeth Jaksche-Hoffman
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-8474-1467-4
Abmessungen
14.7 x 21.0 cm
Seiten
190
Kategorie
Lehrbücher
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