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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 3:1
Seite - 86 -
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86 | www.limina-graz.eu Şenol Yaĝdı | Von der Bildungsferne zum Bildungsaufstieg rende eine Distanzierung gegenüber ihrem Herkunftsmilieu, bedingt durch ihren Bildungsaufstieg und den auf diese Weise modifizierten Habitus (vgl. Zafer, Mustafa). Eine solche Entwicklung schildert Zafer, der mittels seines Bildungsauf- stiegs eine kritische Reflexionsfähigkeit ausbilden kann, welche die stag- nierende Entwicklung seiner Eltern übersteige, was zu deren Unverständ- nis führe: „Das passiert, glaube ich, da automatisch, dass man sich dann distan- ziert. Weil die leben ein anderes Leben als wie ich. Und wenn ich mich weiterentwickeln will, muss ich mich von diesem Leben distanzieren. Wenn ich jetzt mal zum Urlaub dorthin fahre, dann merke ich sofort, dass auch mit mir was nicht in Ordnung ist. Weil dort wird nur Fernsehen ge- schaut und die Themen sind seit Jahren immer wieder gleich. Politische Themen. Andere Themen. Was man dann zuhause spricht. Und automa- tisch distanziert man sich dann da. Weil, was ich sage, hört mein Vater nicht zu. Und deswegen verstehen wir uns auch nicht so gut. Ich habe etwas Neues dazugelernt. Er bleibt immer so, wie er ist. Und automatisch distanziert man sich dann.“ (Zafer, Z.  346–354) Andere Studierende äußern eine etwas abweichende Auffassung hinsicht- lich einer Distanzierung von ihrem früheren sozialen Umfeld bzw. ihrer Familie (vgl. Aylin, Mehtap, Neslihan, Sinan, Yasin). Aylin merkt sogar an, dass sie durch ihr Studium und ihre damit einhergehende persönliche Wei- terentwicklung ein besseres Verständnis für ihre Eltern ausbilden könne: „[…] durch meine universitäre Bildung habe ich viel mehr Empathie aufbauen können. […] Als Wahlfach habe ich Psychologiefächer gewählt. Und durch diese Fächer versuche ich einfach meine Eltern besser zu ver- stehen. Statt mich zu distanzieren von ihnen, versuch ich einen gemein- samen Weg zu finden und, wenn wir Probleme haben, das anders zu klä- ren. Nee, also genau das Gegenteil. Es hat mir viel mehr gebracht, eine Brücke zwischen mir und meinen Eltern aufzubauen.“ (Aylin, Z.  489– 495) Die Distanz findet hier einen anderen Ausdruck: Wenn Aylin versucht, Brü- cken zu ihren Eltern zu bauen, setzt dies bereits eine Differenz voraus, wo- Einige der Befragten beschreiben eine Distanzierung gegenüber ihrem Herkunfts- milieu, bedingt durch den durch den Bildungsaufstieg modifizierten Habitus.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 3:1
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
3:1
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
222
Kategorien
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