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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 4:1
Seite - 184 -
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184 | www.limina-graz.eu Larissza Hrotkó | Durchbruch des Fundamentalismus? Eine neues Gesicht der Orthodoxie im Judentum Ungarns dischen Glaubensgemeinschaften Ungarns) nahm allerdings sofort eine eher orthodoxe Richtung ein, weil Schulchan Aruch wieder zur maßgeblichen Richtlinie jüdischer Verhaltensweisen erklärt wurde (vgl. Bóka B. 2019). Die Liturgie wurde strenger: Der gemischte Chor aus Frauen und Männern, der bisher die Kantoren begleitete, wurde in den meisten Synagogen aufgelöst. In einigen neologen Synagogen wurde sogar die Mechize (der Vorhang für die Trennung der Geschlechter) eingeführt. Die damals 40- bis 50-jährigen Rabbiner und einige autoritäre Glaubensbrüder begrüßten diese Änderun- gen aus frischerworbener Traditionstreue, obwohl sie diese Tradition in Ungarn tatsächlich nie erlebt hatten (vgl. Gutmann 1913, 17). 3 Die Chabad­ Gemeinschaft als Neo­ Orthodoxie im gegenwärtigen Judentum Ungarns Heute ist das religiöse Klima im neologen Judentum Ungarns wieder wech- selhaft: mal setzen sich die modernen Ideen durch, mal kommt es zu einer erneuten orthodoxen Verhärtung. Diese Dualität könnte zum Teil damit er- klärt werden, dass es für die ungarischen Jüdinnen wichtig ist, eine ‚gute Jüdin‘ zu sein. Die ‚gute Jüdin‘ bleibt dem Jüdischen immer treu, was be- deutet, dass sie alles so macht wie ihre Mutter und ihre Großmütter, ob- wohl sie die Bräuche nicht mehr versteht. Auch wegen dieses psychischen Drucks, die alten religiösen Bräuche richtig zu pflegen, gehen mehr Jüdin- nen in die neo-orthodoxen Synagogen von Chabad Lubawitsch als in die progressive Gemeinschaft Ungarns. Die traditionelle ungarisch-jüdische Orthodoxie ist für die Mehrzahl der heutigen Jüd*innen nicht mehr attrak- tiv, denn sie legen Wert auf eine gewisse Modernität, zeitgemäße Bequem- lichkeit, gutes Essen und ein zuvorkommendes Verhalten des Rabbiners, und auf den ersten Blick bekommen sie das alles bei Chabad. Äußerlichkei- ten spielen in der Religion eine große Rolle. Die progressiven bzw. Reform-Gemeinschaften können mit Chabad nicht konkurrieren, weil sie finanziell schwächer sind. Darüber hinaus erwarten die Progressiven ein bewusstes und aktives Mitfeiern der Liturgie, was die meisten Jüd*innen aufgrund mangelnder Kenntnisse und zu wenig reli- giöser Selbständigkeit stört. Denn die ungarischen Jüd*innen sind es nicht Viele legen Wert auf eine gewisse Modernität, zeitgemäße Bequemlichkeit, gutes Essen und ein zuvorkommendes Verhalten des Rabbiners.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 4:1
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
4:1
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
224
Kategorien
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