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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
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228 | www.limina-graz.eu Massimo Recalcati | Die Zerstörung des sozialen Bandes und die Hyperaktivität im Diskurs des Kapitalisten Wesen: Das vom Diskurs des Kapitalisten produzierte Genießen möchte grenzenlos sein, weil es den Menschen von seiner Kastration heilen möch- te. Die Maschine der Verdrängung, die den Diskurs des Herrn charakterisiert hatte, wird durch eine neue Maschinerie ersetzt, welche Genießen ohne Verdrängung produziert. Das ist ein bisher unbekannter Totalitarismus des Objektes, der auf einer paradoxen Eigenart dieses Objektes gründet. Es er- scheint als gespaltenes Objekt. Der Diskurs des Kapitalisten stützt sich auf abgöttischen und fetischistischen Glauben ihm gegenüber, auf einen Glau- ben an die heilsame Macht des Objektes des Genießens, welches so wie es ist imstande sei, den Schmerz des Existierens aufzulösen oder zu heilen. Auf diese Art säkularisiert der Diskurs des Kapitalisten auf brutale Weise das Problem der Transzendenz, indem er dieses in eine hyperhedonistische Kultur überträgt: Das Objekt des Genießens wird zum Fetisch eines Götzen erhoben, dem das Subjekt sein Sein weiht. Es ist ein zentraler Punkt auch in den klassischen Überlegungen von Marx über den Fetisch der Waren: Die Ware wird sozial mit einem Wert aufgeladen, welcher von ihrem Gebrauch absieht, weil er sie entstellt, übersteigt, systematisch verzerrt, um eine möglichst große Dimension von Prestige, Aussehen und Erscheinung als neue Lebensform zur Geltung kommen zu lassen. Für den Diskurs des Kapitalisten ist das Erlösende der Verdienst von mög- lichst viel Genuss in möglichst kurzer Zeit. Diese Immanentisierung der Erlösung definiert den Charakter der „Anti-Kastration“ des Objektes und streicht dessen perverse Natur heraus. Tatsächlich ist, wie wir gesehen ha- ben, die Perversion ein Manöver, welches eine Kastration des Anderen ab- lehnt, indem es strukturelle Haltlosigkeit mit einem absoluten Glauben an das Objekt zementiert. Dieser Glaube fördert die Illusion, dass der Hyper- konsum eine Art (künstliche) Erlösung der Existenz versprechen könne. Die Verwirrung des Subjektes, seine Spaltung, die immer neu durch beharr- liches Angebot angespornt wird, seine grundsätzliche Unruhe schreiben dem Gadget-Objekt die Illusion einer unmittelbaren Befreiung zu, einer Selbstverwirklichung ohne jegliche Zusage von Transzendenz. Das Objekt des Genießens als gefälschte Transfiguration des Objektes klein a täuscht vor, das Subjekt vom Verlust des Genießens heilen zu können, den der Dis- kurs der Kultur dem Leben des Menschen auferlegt. Das ist wirklich eine Das Objekt des Genießens täuscht vor, das Subjekt vom Verlust des Genießens heilen zu können, den der Diskurs der Kultur dem Leben des Menschen auferlegt.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
Titel
Limina
Untertitel
Grazer theologische Perspektiven
Band
2:2
Herausgeber
Karl Franzens University Graz
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 4.0
Abmessungen
21.4 x 30.1 cm
Seiten
267
Kategorien
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