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Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmÀchtig
und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden
Einleitung
Im Vorjahr hat US-PrÀsident Donald J. Trump einseitig Importzölle auf
Stahl, Aluminium und eine breite Palette chinesischer Waren zum Schutz
von US-ArbeitsplÀtzen verhÀngt. Warum nur verhalf das Wahlvolk im
wirtschaftlich höchst entwickelten Land der Welt einem Politiker an die
Macht, der ausdrĂŒcklich fĂŒr auĂenhandelspolitischen Protektionismus, d. h.
die staatliche Abschottung heimischer Wirtschaftszweige gegenĂŒber aus-
lÀndischer Konkurrenz, eintrat? Warum hat fast die HÀlfte der US-WÀhler
und WÀhlerinnen die wirtschaftliche Freiheit, billigere auslÀndische statt
teurere heimische GĂŒter kaufen zu können, aufgegeben fĂŒr das zweifelhaf-
te Versprechen, die heimische Industrie wieder groĂ zu machen? Ist eigen-
verantwortliches freies Wirtschaften zum Phantom geworden, vor dem ein
machtvoll auftretender PrÀsidentschaftskandidat Schutz versprach?
Dass handelspolitischer Protektionismus mit Trumps Wahl zum 45. US-
PrĂ€sidenten wieder politikmĂ€chtig wurde, ist fĂŒr die ĂŒberwiegende Mehr-
heit der akademischen Ăkonomen besorgniserregend und nur zum Teil
verstÀndlich. Besorgniserregend, weil mit der VerhÀngung von US-Im-
portzöllen die seit siebzig Jahren anhaltende Tendenz weltweit sinkender
Importzölle ins Gegenteil verkehrt und globale Wohlfahrts- und Wachs-
tumsverluste in Kauf genommen werden. Zum Teil verstÀndlich ist dieser
âneue Protektionismusâ, weil nach Zollsenkungen einige heimische Wirt-
schaftszweige (z. B. der US-Stahlsektor) der auslÀndischen Konkurrenz
nicht mehr gewachsen sind, Unternehmen bankrott machen und Arbeits-
plÀtze verloren gehen, Arbeit in anderen Wirtschaftszweigen jedoch nicht
sofort oder gar nicht gefunden wird. Daraufhin wenden sich Vertreter der
Wirtschaftszweige mit starker Auslandskonkurrenz an die Politik mit dem
Ersuchen um Erhöhung von Importzöllen und erhalten diese auch, wenn
die Wirtschaftsvertreter (finanzielle und ideelle) UnterstĂŒtzung fĂŒr die Re-
gierung zusagen. (Grossman/Helpman 1994)
Diese ErklĂ€rung ist jedoch nur zum Teil befriedigend. Die auĂenhandelspo-
litische Rhetorik des jetzigen US-PrÀsidenten war nÀmlich an breitere WÀh-
lerschichten als nur die Mitglieder einzelner Wirtschaftszweige gerichtet.
Trumps Botschaften stellen die Vorteile der bisher â ĂŒber die multilaterale
Welthandelsordnung â erzielten Freiheit in internationalen Wirtschafts-
Ist eigenverantwortliches freies Wirtschaften zum Phantom geworden, vor dem
ein machtvoll auftretender PrÀsidentschaftskandidat Schutz versprach?
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 2:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 267
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven