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Karl Farmer | Warum handelspolitischer Protektionismus wieder politikmächtig
und wirtschaftliche Freiheit zum Phantom wurden
individual specificities, slanting their beliefs toward the ‘prototypical’ or
‘distinctive’ group member.“ (Ebenda)
Soziale Identitäten sind nicht unveränderbar. Bedeutsame Veränderungen
im wirtschaftlichen und sozialen Umfeld können Identitätswandel auslösen.
In Folge verändern sich die Einstellungen und werden in neue, korrelierte
Dimensionen verzerrt, was die Wirkungen ökonomischer oder kultureller
Schocks verstärkt.
Die ökonomische Globalisierung, der datengetriebene technische Fort-
schritt und kultureller Wandel erzeugen neue und schwere Interessenkon-
flikte, welche soziale Identitäten umgestalten.
„The more disadvantaged members of society see themselves as more
similar to a nationalist or socially conservative group, whose distinctive
features are the sector of employment or the region of residence, rather
than income. The distorted beliefs associated with these new identities
dampen demands for traditional redistributive policies, and give rise to
a reassessment of political demands over many issues such as trade pro-
tection, control of immigration, less progressive civil rights.“ (Gennaioli/
Tabellini 2018, 3)
In ihrem Modell nehmen die beiden Autoren erstens an, dass es verschie-
dene Gruppen in der Gesellschaft gibt, die sich nach Einkommen, Handels-
offenheit und kultureller Disposition unterscheiden. Jeder Wähler oder jede
Wählerin fühlt größere Ähnlichkeit mit einer Gruppe, deren Interessen den
eigenen näher sind und bei der der Konflikt zwischen der Eigengruppe und
der Fremdgruppe größer ist. Zweitens, sobald sich ein Individuum mit einer
sozialen Gruppe identifiziert, neigt sich dessen Einstellung in Richtung
stereotypischer Gruppeneinstellung, jener Position, die von außen am bes-
ten erkennbar ist.
Diese Annahmen führen Gennaioli und Tabellini (2018, 3) zu zwei Haupt-
ergebnissen: (1) Identifizierung lässt Einstellungen zu speziellen Sach-
verhalten extremer werden, was politische Konflikte befeuert. So wird eine
Wählerin, die sich mit der Gruppe armer Arbeiterinnen identifiziert, das
Leid der Armut übertreiben, weil sie sich auf das unterscheidende Merkmal
dieser Gruppe, die Armut, konzentriert. Umgekehrtes gilt für einen Wähler,
Veränderungen im wirtschaftlichen und sozialen Umfeld
können Identitätswandel auslösen.
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 2:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 2:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 267
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven