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Elisabeth Zissler | Digitale KrÀnkung?
Wiener Kreis zur Digitalphilosophischen Anthropologie verdeutlicht (www.
homodigitalis.at [25.03.2020]). Dort wird gefragt, welche Art von digitaler
Welt seitens der Informatik geschaffen wird bzw. in Zukunft werden soll
und welche Rolle der Mensch darin einnimmt. Um diese Fragen angemes-
sen beantworten zu können, ist eine interdisziplinÀre Zusammenarbeit
unabdingbar.
Das Individuum verlangt auch im digitalen Zeitalter nach Sinn- und Be-
deutungszusammenhÀngen, die die Technikwissenschaften allein nicht
bzw. nicht hinreichend liefern können. Angesichts der Tatsache, dass
âSinnâ eine Fundamentalkategorie der menschlichen Kultur darstellt (RĂŒ-
sen 2006, 2), braucht es infolgedessen eine Kulturreflexion, die durch ihre
Erkenntnisleistungen Sinnperspektiven und BedeutungszusammenhÀnge
im digitalen Zeitalter zu erschlieĂen vermag.
SchlĂŒsselbegriffe und Analysekategorien
Im Bereich der Wissenschaft werden im Zuge des Digital Turn neue Begriff-
lichkeiten und Kategorien hervorgebracht, die den wissenschaftlichen Dis-
kurs nachhaltig prĂ€gen. Zu den SchlĂŒsselbegriffen zĂ€hlen z. B. Social Media,
Privacy (Stichwort: Der glÀserne Mensch), Artificial Intelligence, Robotik,
Digital Native â Digital Immigrant und Big Data. Welche Analysekategorien
sich disziplinenĂŒbergreifend herauskristallisieren werden, gilt es im Zuge
weiterer Forschungsarbeiten noch systematisch herauszuarbeiten.
Die conditio humana auf dem PrĂŒfstand
Nach der Darstellung digitaler Transformationsprozesse im vorherigen
Abschnitt wird nun der Frage nachgegangen, ob und in welcher Weise bis-
her gĂŒltige Grundkonstanten der conditio humana und darauf aufbauende
Menschenbilder durch diese Entwicklungen, insbesondere durch den Ein-
satz von KĂŒnstlicher Intelligenz (KI) und Robotik, infrage gestellt werden
und als âdigitale KrĂ€nkungâ des Menschen charakterisiert werden können.
Und worin bestĂŒnde dann eigentlich die âKrĂ€nkungâ?
Der Begriff der âdigitalen KrĂ€nkungâ wird dabei an die drei von Sigmund
Freud beschriebenen âKrĂ€nkungen der Menschheitâ angelehnt, die dem
Digitalisierung als Hot Spot des interdisziplinÀren Diskurses
Limina
Grazer theologische Perspektiven, Band 3:2
- Titel
- Limina
- Untertitel
- Grazer theologische Perspektiven
- Band
- 3:2
- Herausgeber
- Karl Franzens University Graz
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 4.0
- Abmessungen
- 21.4 x 30.1 cm
- Seiten
- 270
- Kategorien
- Zeitschriften LIMINA - Grazer theologische Perspektiven